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20.04.2007 

Doch im Herbst vergangenen Jahres legte die Staatsanwaltschaft München Hand an das bis dato unbefleckte Lebenswerk Pierers. Mehrere Dutzend Beamte durchsuchten die Münchner Konzernzentrale und Außenstellen in Pierers Heimatstadt Erlangen. Es ging um schwarze Kassen mit dreistelligen Millionenbeträgen; auch einige von Pierers engsten Vertrauten sollen davon gewusst haben. Siemens-Finanzchef Joe Kaeser nimmt seither dubiose Zahlungen über insgesamt 420 Mill. Euro unter die Lupe.

In diesem Jahr setzten Nürnberger Ermittler noch einen drauf. Sie verhafteten den damaligen Chef der in Siemens-Betriebsräten sitzenden Arbeitnehmerorganisation AUB und kurz darauf den Zentralvorstand und Pierer-Zögling Johannes Feldmayer. Der Vorwurf: Siemens soll sich mit Zuwendungen von rund 34 Mill. Euro die AUB gewogen gehalten haben. Die Kritik aus Gewerkschaft, Politik und Öffentlichkeit an Pierer nahm zu.


» Auflistung: Siemens und seine Brandherde


Pierer versuchte mit einem Teilrückzug aus dem Prüfungsausschuss, der die Affären aufarbeiten soll, die Wogen zu glätten. Doch erfolglos. Bis zuletzt erklärte Pierer, er wisse nichts von all den Unregelmäßigkeiten in seiner Amtszeit als Konzernchef. „Eine persönliche Verantwortlichkeit mit Blick auf die laufenden Ermittlungen war nicht Grundlage meiner Entscheidung“, rechtfertigte er sich noch in seiner Rücktrittserklärung. Für ihn stünden die Konzerninteressen im Mittelpunkt: „Ich habe immer die Überzeugung vertreten, dass die Pflicht gegenüber dem Unternehmen und seinen weit mehr als 400 000 Mitarbeitern in aller Welt Vorrang vor eigenen Interessen haben muss.“ Ähnlich demütig vor dem Erfolg des großen Ganzen hatte vor drei Monaten Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber seinen Rücktritt angekündigt.

Pierer wurde am 26. Januar 1941 in Erlangen geboren. Er studierte in seiner Heimatstadt Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft. Seine Laufbahn bei Siemens begann der promovierte Jurist und Diplom-Volkswirt 1969. Nach dem Einstieg in die Rechtsabteilung des Zentralbereichs Finanzen wechselte er 1977 in die damals selbstständige Kraftwerk Union AG (KWU). 1989 übernahm er den Vorsitz des KWU-Bereichsvorstands und wurde zugleich Vorstandsmitglied der Siemens AG. Nach seiner Wahl in den Siemens-Zentralvorstand 1990 wurde er 1992 Vorstandsvorsitzender des Konzerns. Pierer war auch eine Zeit lang als Kommunalpolitiker für die CSU aktiv.

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