0 Bewertungen
31.03.2006 
Mittelständler regelt Nachfolge

Heinz Dürr holt seine Tochter

von Martin-W. Buchenau

Eine der bekanntesten und markantesten Unternehmerfiguren Baden-Württembergs bereitet seinen endgültigen Rückzug aus der aktiven Wirtschaft vor.

Heinz Dürr ist einer der bekanntesten und markantesten Unternehmerfiguren Baden-Württembergs. Foto: dpaLupe

Heinz Dürr ist einer der bekanntesten und markantesten Unternehmerfiguren Baden-Württembergs. Foto: dpa

STUTTGART. Heinz Dürr, Aufsichtsratschef und Mehrheitseigentümer der Dürr AG, hat seine Tochter Alexandra Dürr in den Aufsichtsrat des Weltmarktführers bei Lackiermaschinen geholt. „Das ist ein Zeichen, dass die Familie zum Unternehmen steht“, sagte Dürr-Vorstandschef Ralf Dieter bei der Vorlage der Bilanz.

Der 72 Jahre alte Senior hatte den Betrieb seines Vaters in drei Jahrzehnten zu einem gut verdienenden Weltmarktführer gemacht. Anschließend strebte der ehrgeizige und hoch gewachsene Manager nach größeren Dimensionen. Er wechselte 1980 zum angeschlagenen Elektrokonzern AEG, sanierte diesen zunächst, was aber den späteren Niedergang des Unternehmens nicht verhinderte. 1990 wechselte er auf Bitte des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl zur Deutschen Bahn, die er bis 1997 als Vorstandschef führte. Dürr geht mit seiner freundlichen Art offen auf Menschen zu. Dahinter verbirgt sich jedoch ein ausgeprägter Machtmensch. Nur zwei Jahre dauerte seine Amtszeit als Aufsichtsratschef der Bahn. Er schied im Streit mit dem Bund und nach vielen Auseinandersetzungen mit Bahn-Chef Johannes Ludewig.

Sein eigenes Unternehmen hatte er zwischenzeitlich in familienfremde Hände gegeben – und auch da gab es Ärger. Das Familienunternehmen war nach einer fulminanten, aber letztlich missglückten Expansionsstrategie jüngst in arge Schieflage geraten. Es drohte sogar die Übernahme durch Hedge-Fonds, nachdem die Commerzbank im vergangenen Jahr ihre Forderungen verkaufte. Durch Notverkäufe rentabler Sparten konnte dies jedoch abgewendet werden. Zudem schoss die Familie Kapital nach und stockte ihre Anteile auf.

Der neue Vorstandsvorsitzende Dieter sucht das Heil in der Konzentration auf das Kerngeschäft. Mit Erfolg: Dürr meldete gestern schwarze Zahlen trotz hoher Aufwendungen für die Sanierung. Die Berufung der Tochter könne man als ersten Schritt zur Regelung der Nachfolge sehen, sagte ein Unternehmenskenner.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Dürr wählte mittlere Tochter mit Bedacht

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Ein herber Verlust für die Telekom  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:33 Uhr von Sandra Louven

Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick verlässt den Konzern. Das bedeutet vor allem eines: ein weiteres Problem für Vorstandschef René Obermann. Eick war der Fels in der Brandung. Er hatte jahrelange Erfahrung mit den Eigenheiten des Bonner Konzerns. Und die sind im Fall der Telekom nicht zu unterschätzen. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Herber Verlust  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:58 Uhr von Sandra Louven

Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick war der ruhende Pol im Vorstand der Telekom, er hatte die größte Erfahrung. Daher ist er kaum gleichwertig zu ersetzen. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige