Gesprochen hat Kayser seinen agilen Großaktionär noch nicht. Doch der Neue dürfte dem Anforderungs-profil Wyser-Prattes durchaus genügen. Kayser hat einen beinharten Karriereweg hinter sich, der Mann ist auf Erfolg programmiert. Der studierte Elektrotechniker absolviert ein zusätzliches Managementstudium in Harvard und heuert als Berater bei McKinsey an. 1995 wechselt er zur hauseigenen Siemens-Unternehmensberatung und baut das kleine Häuflein auf eine 200 Mann starke Truppe aus. Da er als Berater nicht „Management-Eunuch“ bleiben will, wechselt er 2001 zur Siemens-Automatisierungstechnik, einem direkten Konkurrenten Kukas. Es folgt die Siemens-Leitung in Korea, bevor er 2006 in der Münchener Zentrale die Strategieplanung übernimmt.
Der damalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld lässt Kayser die neue Unternehmensphilosophie formulieren: „Fit for More“ und „Fit for 2010“. Eine ordentliche Rendite und zufriedene Kunden sollen für Siemens fortan gleichrangige Ziele sein. Um sich auf höhere Weihen vorzubereiten soll Kayser für Siemens das Nordeuropa-Geschäft übernehmen, doch er kneift: Als das Angebot von Kuka kam, „war der Reiz zu groß“, sagt er.
Bei seinem Arbeitgeber kommt Kayser gut an, auch bei der Arbeitnehmerseite. „Er erfüllt unsere Anforderungen“, sagt Jürgen Kerner, der für die IG Metall im Aufsichtsrat sitzt. „Er hat es bei Siemens geschafft, deutsche Produktionsstandorte zu halten und weiterzuentwickeln.“
Wenn der dreifache Familienvater in seiner neuen Heimat Augsburg ein Haus gefunden hat, wartet viel Arbeit auf ihn. Kuka, global die Nummer drei, braucht neue Abnehmer. Zwar wächst der Markt für Industrieroboter und automatisierte Fertigungslinien mit fünf Prozent pro Jahr, doch die Konkurrenten ABB und Kawasaki liefern sich einen Preiskrieg. Ein Roboter, der vor fünf Jahren noch 100 000 Euro kostete, ist heute für die Hälfte zu haben. Immer öfter müssen die Anlagenbauer mit ins Risiko: Mit dem siechenden US-Autohersteller Chrysler hat Kuka zuletzt ein Betreibermodell für eine Autoproduktion abgeschlossen. Die Augsburger bauen die Anlage und liefern die Karossen, Chrysler bezahlt nach Stückzahlen. Sichere Geschäfte sehen anders aus.
