0 Bewertungen
06.02.2008 
Der neue Spartenchef von Siemens Mobility

Herr des Sammelsuriums

von Eberhard Krummheuer

Züge, Maut- und Postverteilsysteme: Der neue Chef Hans-Jörg Grundmann muss die bunte Siemens-Sparte Mobility auf Rendite trimmen. Er hofft auf das US-Geschäft. Jetzt hat er seinen ersten öffentlichen Auftritt vor internationalen Journalisten absolviert.

 Hans-Jörg Grundmann, Chef der Siemens-Sparte Mobility. Foto: prLupe

Hans-Jörg Grundmann, Chef der Siemens-Sparte Mobility. Foto: pr

SACRAMENTO. Der Auftritt bringt ihn gleich mitten ins Thema. Zwischen halbfertigen Zug-Karossen im Siemens -Werk im kalifornischen Sacramento informiert sich Hans-Jörg Grundmann über hoch spezialisierte Energiespartechniken, die ihm noch nicht geläufig gewesen sein dürften. Denn er hat erst zum Jahresanfang den Chefposten der neuen Konzernsparte "Mobility" von Siemens übernommen.

Einen ganzen Tag lässt er sich in der vergangenen Woche durch die Produktionsstätte führen, die Brückenkopf des Konzerns für den wachsenden Bahnmarkt Nordamerika ist. Grundmann lernt schnell. Nur 24 Stunden später beschreibt er überzeugend das System, mit dem Stadtbahnen beim Bremsen überschüssige Energie über spezielle Speicher zurück ins Gleichstromnetz speisen. Was in Europa und Asien schon länger im Einsatz ist, wird bald auch bei der "Rapid Transit" -Bahn in Sacramento erprobt. Und natürlich hofft Siemens auf möglichst viele Folgeaufträge in Nordamerika für andere Stadtbahnen.

Dass der gebürtige Mecklenburger, ein promovierter Physiker, in Kalifornien seine Sparte vorstellte, hat seinen Grund: Denn im boomenden US-Bundesstaat an der Pazifikküste drängen die Verkehrsprobleme auf der Straße und in der Luft nach alternativen und besseren Angeboten. Und mit seinem Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat der Staat, der mit 37 Millionen Einwohnern zu den produktivsten Volkswirtschaften der Welt gehört, einen konsequenten Fürsprecher für Energiesparen und Klimaschutz. Da sieht der neue Mobility-Chef reichlich Marktchancen: "Keiner unserer Wettbewerber kann so umfassende Antworten auf die Herausforderungen für die Mobilität geben wie wir", lobt er das eigene Haus. Wettbewerber sind der US-Konzern GE und die europäischen Rivalen Bombardier und Alstom.

Der hoch aufragende, stets freundlich blickende Brillenträger, dessen flüssiges Englisch mehr als bei seinen in den USA arbeitenden Kollegen vom deutschen Akzent geprägt ist, weiß, wovon er spricht. "Mobility" ist bei Siemens mehr als die frühere Sparte "Transportation". Die verkaufte ausschließlich Verkehrstechnik. Doch der Strukturwandel im Konzern unter dem neuen Vorstandschef Peter Löscher schuf eine Division, in der eben auch logistische Systeme etwa für Paketverteilanlagen oder vollautomatische Briefsortiermaschinen, aber auch Gepäcksysteme auf Flughäfen oder Sicherheitstechnik gelandet sind. Grundmann, der Herr des Sammelsuriums.

Aus diesem Bereich kommt Grundmann. Schon 2001 schrieb er als Leiter der "Postal Automation" der damaligen Siemens Dematic einen Beitrag für eine Handelsblatt-Beilage zum Thema Postdienstleistungen. Post und nun auch Bahn, "die ticken schon ähnlich", sagt er heute. Und er bekräftigt, dass seine Abteilung "Rolling Stock", also Züge und Lokomotiven, "das Größte und Spannendste" sei. Dass allein in Deutschland täglich 86 Millionen Briefe dank "hochautomatisierter" Verfahren ihren Weg finden, fasziniert ihn gleichwohl genauso stark. Ebenso wie die guten Geschäfte mit der Post.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Mein größter Kunde ist die US-Post, nicht die Deutsche Bahn.“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Ein herber Verlust für die Telekom  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:33 Uhr von Sandra Louven

Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick verlässt den Konzern. Das bedeutet vor allem eines: ein weiteres Problem für Vorstandschef René Obermann. Eick war der Fels in der Brandung. Er hatte jahrelange Erfahrung mit den Eigenheiten des Bonner Konzerns. Und die sind im Fall der Telekom nicht zu unterschätzen. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Herber Verlust  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:58 Uhr von Sandra Louven

Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick war der ruhende Pol im Vorstand der Telekom, er hatte die größte Erfahrung. Daher ist er kaum gleichwertig zu ersetzen. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige