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06.02.2008 

Daran wird sich auch der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, gewöhnen müssen: Bislang wurde er von der heimischen Bahnindustrie als bester Kunde hofiert. Nun sagt Grundmann über seine neu zugeschnittene Sparte: "Mein größter Kunde ist die US-Post, nicht die Deutsche Bahn."

Gleichwohl muss er in den USA auch viel Bahntechnik verkaufen. Bei Stadtbahn-Systemen zeichnet sich wachsender Erfolg ab. Allerdings werden Leuchtturmprojekte wie etwa Hochgeschwindigkeitsstrecken mit dem ICE oder gar Transrapid in den USA zwar diskutiert, doch scheinen sie in weiter Ferne zu sein. Da kommt es Grundmann zugute, dass er im großen Autoland auch Straßenverkehr flexibler machen kann. Er hofft darauf, Verkehrslenkungs- oder Maut- und andere Bezahlsysteme zu verkaufen.

Grundmann muss erfolgreich sein. Denn sein oberster Chef hat erst auf der Hauptversammlung klar gesagt, was er von der schwachen Rendite der bisherigen Transportation-Sparte hält. Die dort geäußerte "Ungeduld" teile er, sagt Grundmann frank und frei. Mitarbeiter, die ihn in seiner kurzen Zeit in Erlangen kennengelernt haben, schätzen seine offene Art. Er gilt als einer, der sagt, was er meint.

Auch die Siemens -Affäre wird ihn noch beschäftigen, wurden doch laut Aussagen auf der Hauptversammlung bei Transportation "fragwürdige Zahlungen" in Höhe von 88 Millionen Euro bekanntgegeben.

Bevor Grundmann in die Wirtschaft wechselte, hat er lange als Wissenschaftler in der DDR gearbeitet. Am meisten störte ihn damals die fehlende Reisefreiheit, die den Austausch mit anderen Wissenschaftlern erschwerte. Nach der Wende verlässt der Vater dreier erwachsener Kinder die Wissenschaft. Es sei kein harter Bruch gewesen, denn er habe weiter Entwicklungsarbeit betrieben, erinnert er sich. Auch der Wechsel in den Westen und die andere Denkweise seien ihm, der heute in Zirndorf/Oberpfalz lebt, leichtgemacht worden.

Während er seine beruflichen Herausforderungen mit professioneller Nüchternheit beschreibt, gerät er ins Schwärmen, wenn er von seinem Hobby spricht. Zwar spielt er gerne Geige, doch seine wahre Leidenschaft ist die Mathematik. In alten Büchern verfolgt er die "Geschichte des verschütteten Wissens aus dem Vor-Computerzeitalter." Bis hin zu den Rechentricks der Chinesen: Das sei ein "total spannendes Thema".


Hans-Jörg Grundmann

1955: Er wird am 22. Januar in Lübtheen/Mecklenburg-Vorpommern geboren. Er studiert später Physik an der Humboldt Universität in Berlin und promoviert.

1981: Hans-Jörg Grundmann beginnt am Institut für Kosmosforschung, Berlin.

1991: Grundmann wechselt zur AEG Postautomation in Konstanz und wird 1995 Entwicklungschef für Lese- und Kodiersysteme. Im Jahr 2001 wird er Sprecher der Geschäftsleitung von Siemens Dematic/Postautomatisierung.

2005: Er kommt in den Bereichsvorstand von Industrial Solution and Services von Siemens.

2008: Er wird Chef der Sparte Mobilität.

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