17 Bewertungen ****
17.07.2008 
Übernahmekampf um Conti

Hubertus von Grünberg – ein kreativer Zerstörer

von Mark C. Schneider

Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg spielt eine entscheidende Rolle beim Übernahmekampf um den Dax-Konzern Continental. Er muss die Verteidigung organisieren - die Angreifer von Schaeffler kennt er genau.

DÜSSELDORF. Äußerlichkeiten sind für Hubertus von Grünberg unerheblich. Seine schwarzen Schuhe haben augenscheinlich ihre besten Tage längst hinter sich. Der dünne, leicht ergraute Rotschopf ist stets eine Spur zu lang. Im Gespräch fallen ihm immer wieder Strähnen ins Gesicht. Und die Krawatte ist schon lange nicht mehr in Mode.

Auf der Höhe der Zeit ist dagegen sein Handy, ein iPhone von Apple. Schaltet er es ein, hat er Zugriff auf die Aktienkurse von Telekom, Continental und ABB. Bei den Schweizern führt er seit gut einem Jahr die Geschicke als mächtiger Präsident des Verwaltungsrats. Einen Aufruhr verursachte der Deutsche bei den Eidgenossen mit der plötzlichen Trennung vom erfolgreichen ABB-Vorstandschef Fred Kindle. Beim Bonner Dax-Wert unterstützt er im Rat die Bemühungen von Chefkontrolleur Ulrich Lehner, Licht in den Skandal um den Missbrauch von Telefondaten zu bringen.

In Hannover-Vahrenwald beim Zulieferer und Reifenhersteller Continental schien von Grünberg als Chef des Aufsichtsrats zumindest nach der Übernahme des Rivalen VDO im Sommer 2007 den ruhigsten Job zu haben. "Wenn sich diese neue Continental jetzt um ihre Positionierung Sorgen machen würde, wäre das ein Eingeständnis, mit der gigantischen Rolle, die sie spielen kann, nicht zurechtzukommen", sagte er dem Handelsblatt noch vor wenigen Wochen. "Wir haben jetzt einen großen Flügel - und die Musiker, um damit zu konzertieren."

Doch jetzt greift mit Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger ein anderer Dirigent nach dem Taktstock. Das fränkische Familienunternehmen hat sich über neun Banken und trickreiche Finanzinstrumente den Zugriff auf 36 Prozent der Conti-Aktien gesichert und gestern Nachmittag schließlich ein Übernahmeangebot für Conti vorgelegt.

Das Werk des ehrgeizigen Physikers, der stets Branchenprimus Bosch in jeder Beziehung Paroli bieten wollte, ist gefährdet. In keinem anderen Dax-Unternehmen ist die Deckungsgleichheit dermaßen hoch: Continental ist Hubertus von Grünberg - und Hubertus von Grünberg ist Continental.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Ein herber Verlust für die Telekom  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:33 Uhr von Sandra Louven

Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick verlässt den Konzern. Das bedeutet vor allem eines: ein weiteres Problem für Vorstandschef René Obermann. Eick war der Fels in der Brandung. Er hatte jahrelange Erfahrung mit den Eigenheiten des Bonner Konzerns. Und die sind im Fall der Telekom nicht zu unterschätzen. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Herber Verlust  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:58 Uhr von Sandra Louven

Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick war der ruhende Pol im Vorstand der Telekom, er hatte die größte Erfahrung. Daher ist er kaum gleichwertig zu ersetzen. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige