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07.12.2005 
Portrait des streitbaren Schweizer Privatbankier Konrad Hummler

„Ich bin dagegen“

von Oliver Stock

Unter dem Dachboden des denkmalgeschützten Barockhauses, dort, wo bei anderen die Koffer verstauben, sind Flachbildschirme aufgestellt. Bunt flimmern Kurven darüber und bilden die Finanzmärkte der Welt ab. Dazwischen der Mann, dem der Erhalt des Schweizer Bankgeheimnisses eine Herzenssache ist: etwas untersetzt, Schnauzbart, freundliche, braune Augen, hohe Stirn.

HB ST. GALLEN. Konrad Hummler leitet, wie es korrekt heißt, als „Geschäftsführender Teilhaber“ die älteste Privatbank der Schweiz, Wegelin & Co., in St. Gallen. Er ist also kein Angestellter, sondern Eigentümer einer Bank und denkt deshalb intensiver als andere übers finanzielle Überleben nach. In der Schweiz sorgte er kürzlich für Furore, als er eine Art Ablasshandel fürs Bankgeheimnis vorschlug: Drei bis vier Milliarden solle das Land der EU überweisen und im Gegenzug dafür sein Bankgeheimnis dauerhaft behalten können. „Das wäre verkraftbar“, glaubt Hummler.

Die Finanzindustrie der Schweiz steuert rund 13 Prozent zum Bruttosozialprodukt des Landes bei. Hat ihr Erfolg viel mit dem Bankgeheimnis zu tun, das ausländischen Steuersündern Schutz gewährt?

Der 52-Jährige lehnt sich am großen Besprechungstisch, der im Stockwerk unter der Dachkammer steht, zurück. „Nicht versteuertes Geld“, sagt er, „ist weitgehend totes Kapital. Sie können ihrer Frau einen Pelzmantel damit kaufen.“ Aber dennoch verspüre halb Europa das Bedürfnis, Geld in der Schweiz anzulegen, „obwohl wir nicht billig sind“. Warum? „Das vorherrschende Gefühl in vielen europäischen Ländern ist: Es wird mir irgendwann eh alles genommen“, stellt er fest und blickt nicht ohne Absicht aus dem Fenster in den schneeverhangenen Himmel über dem Marktplatz von St. Gallen.

Ein paar Kilometer weiter liegt Deutschland und damit ein Gesellschaftsmodell, „das sich so sehr in seinen Privilegien verheddert hat, dass es sich ändern muss oder Bankrott gehen wird“, sagt der Bankier. Profitiert seine Bank davon? „Wenn wir von Agonie profitierten, hätten wir ein ethisches Problem.“

Wenn Hummler von „wir“ spricht, ist er selbst betroffen. Das ist so Sitte bei einem Privatbankier, der mit dem eigenen Vermögen für mögliche Verluste der Bank und ihrer Kunden einsteht und zum Ausgleich keinem Aktionär und keinem Verwaltungsrat Rechenschaft ablegen muss. „Keinem Moloch, der sich vorwärts wälzt und Leute mit Ideen Querdenker nennt“, sagt Hummler und bezieht den Satz nicht nur auf die eigene Organisation, sondern auch auf die seines Landes: „Kleinkrämerisch“ nennt er die Schweiz, „fast peinlich“. „Wären wir größer, wären wir noch peinlicher.“

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