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13.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 13:03 Uhr 
Werner Müller

„Ich heiße doch nicht Mehdorn“

von Markus Hennes

Aufsichtsratschef Werner Müller stellt den Bahn-Chef öffentlich bloß - nur ein Missverständnis?

Werner Müller ist Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn. Foto: apLupe

Werner Müller ist Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn. Foto: ap

DÜSSELDORF. Mit Worten richtet man mehr aus als mit Händen. Werner Müller, im Hauptberuf Vorstandschef des Essener Mischkonzerns Evonik und in seinem wichtigsten Nebenjob Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bahn, weiß das nur zu gut. Der promovierte Sprachwissenschaftler wägt seine Worte sorgsam ab, aber nicht immer sind seine Ziele klar.

Diesmal sieht es so aus, als habe es Müller auf Bahn-Chef Hartmut Mehdorn abgesehen. Dabei hatte Müller den Vertrag des Vorstandschefs der Deutschen Bahn im Dezember 2007 um weitere drei Jahre bis zum 19. Mai 2011 verlängert. Und vor wenigen Wochen setzte Müller - gegen den Widerstand der SPD-Vertreter im Präsidium des Bahn-Aufsichtsrats - außerdem durch, dass Mehdorn bis Mai 2011 in Personalunion auch noch den Vorstand der sogenannten Bahn Mobility AG führt. Die soll in diesem Jahr an die Börse gehen. Wenn Mehdorn seinen Vertrag erfüllt, wäre er fast 69. Müller hingegen ist Anfang Juni 62 Jahre alt geworden.

Und nun das. Ein einziger Satz in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" reicht, um den Topmanager der Bahn öffentlich als jemanden bloßzustellen, der an seinem Sessel klebt: "Ich heiße doch nicht Mehdorn", antwortet Müller im Interview auf die Frage, ob er seinen Mitte 2011 auslaufenden Vertrag als Vorstandschef von Evonik noch einmal verlängern wird. Ein klares "Nein" hätte gereicht. So aber erweckt Müller den Eindruck, als wolle er Mehdorn loswerden.

Tatsache ist: Ein abrupter Führungswechsel könnte die Erfolgsaussichten des Börsengangs der Bahn erheblich schmälern. Denn Anleger wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Kontinuität an der Unternehmensspitze macht die Börsenstory glaubhafter. Deshalb soll Müller den Bahn-Chef noch vor Erscheinen des Interviews angerufen haben, heißt es bei Evonik und der Bahn. Angeblich sollen beide Herren über Müllers Witz auf Mehdorns Kosten herzlich gelacht haben. Also alles in Butter? Ein fader Nachgeschmack bleibt.

Denn Müller kann auch anders. Bisweilen können seine Worte sogar tödliche Waffen sein. Keine Chance auf eine Weiterbeschäftigung hatte Thomas Doll, bis vor wenigen Wochen Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. Bei dem traditionsreichen Revierclub ist Evonik Hauptsponsor. Während die Geschäftsführung des BVB noch treu zu Doll hielt, brach Müller - wiederum via Medien - den Stab über den nur mäßig erfolgreichen Trainer. Er habe sich zuweilen geschämt, wenn er Gäste zu Heimspielen des BVB eingeladen und die Mannschaft dann schlecht gespielt habe, brachte Müller seine Aufforderung "Doll muss weg" indirekt, aber trotzdem unmissverständlich zum Ausdruck.

Müller spielt gern mit der öffentlichen Meinung. Als er im vergangenen Jahr Chef der Kohlestiftung werden wollte, forderte er im "Spiegel": Das Salär eines Dax-Vorstands müsse für ihn schon drin sein. Man kann Müller glauben, dass er sich damit selbst und wohl kalkuliert um den Posten gebracht hat - man muss es aber nicht.

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