Nach Dell-Chef Michael Dell und Ex-SAP-Vorstand Shai Agassi engagiert sich nun auch Microsoft-Gründer Bill Gates in der Krisenbranche.
FRANKFURT. Manchmal kann sich Bill Gates, der Gründer des Softwareriesen Microsoft, so richtig in Rage reden. Auf der US-Computermesse Comdex vergleicht er die IT-Branche mit der Autoindustrie. „Wenn General Motors mit der Technologie so mitgehalten hätte wie die Computer-Industrie, dann würden wir heute alle 25-Dollar-Autos fahren, die 1 000 Meilen pro Gallone Sprit fahren würden“, poltert er. Der Konter der Autobosse lässt nicht lange auf sich warten: In dem Fall müssten die Autofahrer heute zum Beispiel auf den Startknopf drücken, um den Motor abzustellen, lästert GM zurück.
Auch wenn dieser Disput so niemals offiziell bestätigt wurde, die Geschichte aus dem Jahr 1998 zeigt: Der mittlerweile in den Ruhestand verabschiedete Chef von Microsoft hat ein besonderes Verhältnis zu Autos. Nun steigt er selbst in das Geschäft ein. Über seine Stiftung Bill & Melinda Gates Foundation Trust sowie seine Investmentgesellschaft Cascade Investment hat er 5,5 Prozent am börsennotierten US-Autohändler Auto-Nation erworben. Das geht aus einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervor. Die Investoren reagierten begeistert. Die Aktie von Auto-Nation legte um fast acht Prozent zu.
Über seine Motive wird in der Branche und in Internetforen indessen heftig gerätselt. Gates wolle nun endlich seine Vision vom fahrbaren Computer mit Internetzugang wahrmachen, sagen die einen. In der Tat ist IT im Auto ein Faible des Softwareexperten. Erst bei seiner Abschiedsrede auf der diesjährigen Konsummesse CES in Las Vegas hatte Gates einen Ford gezeigt, dessen Autoradio er mit seiner Stimme steuerte.
Andere glauben allerdings, der 52-Jährige wittere angesichts der an der Börse zuletzt arg gebeutelten Branche schlicht eine gute Investmentgelegenheit. Gates könne im Windschatten des Hedge-Fonds-Managers Edward Lampert segeln, dem mit knapp 40 Prozent größten Anteilseigner von Auto-Nation, heißt es.
Fest steht, dass Gates nicht der einzige IT-Unternehmer mit Ambitionen in der Autobranche ist.
Michael Dell, Gründer und seit kurzem wieder Chef des gleichnamigen Computerbauers, hat Ähnliches vor. Seine Investmentfirma MSD Capital hat im Mai den Industrieveteranen Jeff Rachor, den ehemaligen Chef des Autohändlers Sonic Automotive, gewonnen und will nun einen auf Premiumfahrzeuge spezialisierten Auto-Dealer aufbauen.
Auch damals rätselten Autoexperten, warum Dell einen solchen Schritt ausgerechnet in einer Krise unternimmt. Doch der 43-Jährige nahm's gelassen. Gerade wenn die Leute verunsichert seien, sei es für Investoren eine Gelegenheit, einzusteigen und Dinge zu verändern, konterte er. Was genau er verändern will, ist allerdings bis heute nicht klar.
Sein Faible fürs Automobil hat auch Shai Agassi entdeckt, wenn auch mit einem anderen Ziel. Der Gründer mehrerer IT-Firmen, Ex-Vorstandsmitglied des Softwarekonzerns SAP und lange Zeit Kandidat als Nachfolger des SAP-Chefs Henning Kagermann, hat die Firma Project Better Place gegründet. Der 40-Jährige will den umweltfreundlichen Elektroautos den Weg bereiten. Seine Idee: An „Tankstellen“ können die Autofahrer mit wenigen Handgriffen die leere Batterie gegen eine volle tauschen.
Das klingt auf den ersten Blick verwegen. Doch Agassi gibt sich gegenüber der „Wirtschaftswoche“ optimistisch: „Das ist mehr als eine Idee, das ist bald Realität.“ Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn hat zugesagt, entsprechende Autos entwickeln zu lassen. Im Jahr 2011 soll die Massenproduktion starten. Auch die Stromindustrie hat Interesse und hofft auf das Geschäft mit neuen, attraktiven Kunden. Und in Israel, dem Geburtsland von Agassi, soll testweise eine Infrastruktur mit Wechselstationen aufgebaut werden.
