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16.09.2008 
Wolfhard Leichnitz

IVG-Chef Leichnitz geht

von Reiner Reichel

Wolfhard Leichnitz legt sein Amt als Vorstandschef der IVG Immobilien zum Monatsende nieder. "Die Entscheidung wurde in gutem Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat getroffen", teilte das größte börsennotierte Immobilienunternehmen in Deutschland mit. Wer mit Kennern des Unternehmens spricht, hegt jedoch Zweifel an der offiziellen Darstellung.

Wolfhard Leichnitz hatte offenbar nicht immer eine glückliche Hand im Umgang mit Analysten und Investoren. Foto: Hans-Guenther OedLupe

Wolfhard Leichnitz hatte offenbar nicht immer eine glückliche Hand im Umgang mit Analysten und Investoren. Foto: Hans-Guenther Oed

DÜSSELDORF. Der Anfang Juni 2006 in den IVG-Vorstand eingetretene und einen Monat später zum Vorstandschef gekürte Leichnitz soll gegangen sein, bevor er gegangen wurde. "Die Großaktionäre haben Druck gemacht", sagt ein Insider. Damit meint er das Bankhaus Sal. Oppenheim und die Schweizer Santo Holding der Familie Strüngmann.

IVG-Beobachter werfen dem promovierten Bauingenieur Leichnitz vor, nicht eisern genug gespart zu haben und die Verschuldung nicht konsequent abgebaut zu haben. "Ich erwarte nun eine entschlossenere Kostenreduktion", sagte Burkhard Sawatzki, Immobilienaktien-Experte der Commerzbank. Schulden sollten durch Immobilienveräußerungen, allerdings keine Paketverkäufe erfolgen.

Zehn Prozent weniger Kosten waren wohl auch Aufsichtsratschef Detlef Bierbaum zu wenig. "Konsequente Portfoliooptimierung und striktes Kostenmanagement" sind die Aufgaben, die er dem verbleibenden Vorstand mit dem Ziel, die Schulden abzubauen, vorgibt.

Statt Schulden baute die IVG im vergangene Jahr Eigenkapital ab. Konsequenz: Aus rund 30 Prozent Eigenkapitalquote Ende Juli 2007 wurden 22 Prozent Ende Juli 2008.

Für Helmut Kurz, Manager der Ellwanger & Geiger-Immobilienaktienfonds klafften Anspruch und Wirklichkeit in der Ära Leichnitz zu weit auseinander: "Er hat zu viele Erwartungen geweckt, die er nicht erfüllen konnte." Analysten kritisieren Leichnitz für die viel zu hoch geschraubten Erwartungen an den Kavernen-Verkauf. Leichnitz hatte selbst zwar nie zwei Mrd. Euro Verkaufspreis genannt, entsprechenden Expertenschätzungen aber auch nie vehement widersprochen. Nun sind 1,7 Mrd. Euro, zu zahlen bis 2014, den Analysten zu wenig, zumal sich so die Schulden auch nicht flott abbauen lassen.

Offensichtlich hatte Leichnitz im Umgang mit Analysten und Investoren nicht immer eine glückliche Hand. Der im Vier-Augen-Gespräch freundlich-souveräne IVG-Manager habe bei Präsentationen vor Gruppen manchmal "arrogant" gewirkt, sagen Teilnehmer solcher Konferenzen. Was Aktionäre vielmehr als diese subjektiven Einschätzungen ärgern wird: In der Ära Leichnitz verlor die IVG-Aktie rund 60 Prozent an Wert. Nicht einmal der mehr oder weniger erzwungene Befreiungsschlag brachte Kursgewinne. Im Tagesverlauf verlor das Papier mehr als vier Prozent. Die Bankenkrise schlug auf die IVG wie auf andere Immobilientitel durch.

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