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18.03.2008 

Natürlich konnte Joe Kaeser nicht ahnen, was ihn erwartete, als er nach anderthalb Jahren als Strategiechef Kleinfelds CFO wurde. Es mag ja sein, dass er zwischen 2001 und 2004 als kaufmännischer Bereichsvorstand der Mobilfunksparte von fragwürdigen Geschäftspraktiken Wind bekommen hatte. Schließlich war es der Kommunikationsbereich, der es mit den schwarzen Kassen am tollsten trieb. Immer wieder hat es von Ermittlern und Anwälten Hinweise gegeben, auch Kaeser werde jetzt bald als Beschuldigter benannt, passiert ist jedoch nichts.

Bislang hat keiner der vielen Zeugen den Finanzchef so belasten können, dass er auch den US-Anwälten, die noch immer den Konzern durchforsten, zur Persona non grata geworden wäre. Geschmeidig und zunehmend gelöster wies Kaeser alle Vorwürfe von sich, mögen Stimmen aus dem Off auch bis heute raunen, das liege an etwas ganz anderem: „Die Anwälte brauchen ihn noch.“

Auf dem Höhepunkt der Krise, im Frühjahr 2007, da schien es manchmal, als habe Kaeser schon selbst abgeschlossen mit seinen 28 Jahren im Dienst des Weltkonzerns. Gehetzt von der Presse und getrieben von den eigenen Wirtschaftsprüfern, musste er Milliardensummen unklarer Zahlungen gestehen, stets war er der Überbringer der ganz schlechten Botschaften. Dann aber sorgte das Zerwürfnis zwischen Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und Vorstandschef Kleinfeld dafür, dass Kaeser beinahe ungeschoren durch die Zeit der Wirren kam und für den neuen, gänzlich Siemens-unerfahrenen Konzernchef Peter Löscher zum Halt wurde: Joe, Siemens durch und durch, der Hort der Stabilität.

Immer wieder hat Kaeser seither erklärt, Siemens müsse präziser werden in seinen Prognosen. Er hat Schwächen in einzelnen Geschäftsfeldern angeprangert und insbesondere das Management der Bahntechnik scharf kritisiert: „Da muss man sich doch schämen.“ Es muss ihn daher umso mehr bewegen, dass nun ausgerechnet die beiden längst identifizierten Problemfelder Auslöser für das gestrige Kursdesaster sind. Schließlich weiß er, den Kollegen als „messerscharfen Analytiker“ beschreiben, dass der Finanzchef immer auch oberster Risikomanager ist. Prompt wurden gestern in Unternehmenskreisen Stimmen laut, die nach der Verantwortung für die schlechten Nachrichten fragen.

Für Kaeser bedeutet das höchste Gefahr. Denn in jüngster Zeit folgte im Hause Siemens der Frage nach der Verantwortung regelmäßig die Antwort: Rücktritt. Wahrscheinlich ist, dass der oberste Finanzer mit dem späten Eingeständnis der Millionenlasten sein Verhältnis zum Konzernchef ramponiert hat. Eines nämlich mag Peter Löscher überhaupt nicht: Kratzer am eigenen Image.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Ein Leben in Diensten von Siemens

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