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12.02.2008 
Energiekonzerne

Kandidatenkür mit Schönheitsfehlern

von Klaus Stratmann und Bert Fröndhoff

Der Wunschkandidat der vier großen Energiekonzerne für den Posten eines hauptamtlichen Präsidenten des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) genießt einen hervorragenden Ruf. Doch ob Jürgen Kluge, der frühere Deutschland-Chef von McKinsey, das neue Spitzenamt bekommt, ist unklar. Die kleinen BDEW-Mitglieder schießen quer.

BERLIN/DÜSSELDORF. Erst gestern wurde deutlich, dass die kleineren BDEW -Mitglieder in die Kandidatenkür einbezogen werden wollen. Sie drohen offen damit, den vier Großen die Gefolgschaft zu versagen. Acht große Kommunalversorger, darunter die Stadtwerke von München, Leipzig und Hannover, kritisieren das "unabgestimmte Vorpreschen" von Eon, RWE, EnBW und Vattenfall.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass sich die vier Energieriesen auf Kluge verständigt haben. Die acht kommunalen Versorger betonen nun, die Kür der Branchenspitze sei keineswegs "die Sache einiger weniger im Hintergrund". Alleingänge hätten bereits in der Vergangenheit zum schlechten Image der Branche in Politik und Öffentlichkeit beigetragen, kritisieren die Stadtwerke.

Der Vorgang zeigt, wie schwierig es für die Branche ist, zu einem einheitlichen Kurs zu finden. Gerade die vier großen Konzerne müssen sich von den kleineren BDEW -Mitgliedsfirmen immer wieder selbstherrliches Gebaren vorwerfen lassen.

Kluge soll die Energiebranche aus der Schusslinie bringen. Wegen ständiger Preissteigerungen haben die Unternehmen bei Politik und Kunden viel Vertrauen verloren. Längst hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man einen Neuanfang wagen muss, um aus der Defensive zu kommen und als Gesprächspartner wieder ernst genommen zu werden.

An Kluges Eignung für den Posten wird in der Branche nicht ernsthaft gezweifelt. Dennoch warnen Branchenkenner, man dürfe die Eitelkeit einzelner Manager nicht unterschätzen. "Bestimmte Leute können es nicht ertragen, wenn sie sich übergangen fühlen", sagt ein Insider, der sich aber zugleich zuversichtlich gibt: "Am Ende wird die Vernunft siegen."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Branche könnte von Draht in die Politik profitieren.

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