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15.11.2007 
Lothar Späth

Karriere eines Wandlungsreisenden

von Martin W. Buchenau

Lothar Späth war Beamter, Politiker und Manager. Nun arbeitet er für die Investmentbank Merrill Lynch und feiert seinen 70. Geburtstag.

Lothar Späth wird 70 Jahre alt. Foto: apLupe

Lothar Späth wird 70 Jahre alt. Foto: ap

STUTTGART. Seine Karriere hatte viele Höhen, aber auch einige Tiefen. Lothar Späth jedoch abzuschreiben hat sich stets als voreilig herausgestellt. Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, der morgen 70 Jahre alt wird, mischt auch heute noch mit. Als Deutschland-Chef der Investmentbank Merrill Lynch berät er Porsche bei der Übernahme des größten europäischen Autokonzerns VW, einem der größten Deals. Nebenbei kommentiert er pointiert als Gastautor des Handelsblatts jeden Mittwoch die deutsche Wirtschaftspolitik unter dem Titel "So seh ich es“.

Späth war Beamter, Manager, Politiker, Talkmaster, Unternehmer und ist nun Banker. Und zwischendurch half er noch einmal Edmund Stoiber bei der Bundestagswahl 2002. Vergebens, sonst wäre Späth wohl noch einmal in die Politik zurückgekehrt.

Dahin, wo seine Karriere so abrupt endete. Genau: am 13. Januar 1991 in der Villa Reitzenstein. Kurz nach Bekanntgabe seines Rücktritts als Ministerpräsident von Baden-Württemberg bahnt er sich im Regierungssitz einen Weg durch die Fotografen. Bohrende Fragen der Journalisten nimmt er kaum noch wahr. Das Gesicht ist blass. Die Hände an der Hosennaht zur Faust geballt, fordert er die Menge auf, ihn und seine Familie endlich in Ruhe zu lassen. Der Superoptimist Späth scheint am Ende seiner Kräfte. Es ist die Beerdigung einer politischen Karriere erster Klasse.

Der Niedergang seiner 13 Jahre überwiegend erfolgreichen Regentschaft im deutschen Südwesten hatte eigentlich schon früher begonnen. Im September 1989 hatte Späth sich auf dem Bremer CDU-Parteitag nicht getraut, gegen Helmut Kohl anzutreten, obwohl es in der Partei eine große Opposition gegen Kohl gab. Die Delegierten ließen ihn ebenso fallen wie die Medien, die ihn zum "Reservekanzler“ aufgebaut hatten.

Der zuvor kometenhafte Aufstieg des fleißigen Finanzbeamten aus Bietigheim zum jüngsten Ministerpräsidenten der Republik brachte ihm viel Bewunderung, aber auch Neid ein. Als Nachfolger Filbingers prägte er damals einen offenen, neuen Regierungsstil. Sein Faible für High Tech, Technologietransfer und Bürokratieabbau, gepaart mit Fleiß und Perfektionismus, sorgte für den Spitznamen "Cleverle“. Er lernte durch Beobachtung und verkündete gerne die daraus gezogenen Lehren.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Als Ministerpräsident hatte Späth aber Fehler gemacht

Lothar Späth war Beamter, Politiker und Manager. Nun arbeitet er für die Investmentbank Merrill Lynch. Foto: apLupe

Lothar Späth war Beamter, Politiker und Manager. Nun arbeitet er für die Investmentbank Merrill Lynch. Foto: ap

Als Ministerpräsident hatte Späth aber Fehler gemacht. Er hatte sich von Unternehmen einladen lassen. So stolperte er an jenem 13. Januar 1991 über die "Segeltörnaffäre“.

Kaum einer wäre nach so einem Tiefschlag wieder auf die Beine gekommen. Aber Lothar Späth startet durch. Keine drei Monate später berät er das Land Thüringen bei der Übernahme der Jenaer Carl-Zeiss-Stiftung und wird Jenoptik-Chef. Er baut Tausende Arbeitsplätze ab und zimmert durch Übernahmen einen Technologiekonzern. Zu Spitzenzeiten setzt das Unternehmen über 2,6 Milliarden D-Mark um.

Auch wenn Späths Vision von einem großen ostdeutschen Technologiekonzern sich letztendlich nicht erfüllt, so hat sein Wirken bis zu seinem Ausscheiden vor vier Jahren die Entwicklung von Jena zu einer Technologie- und Wissenschaftsregion gefördert. Danach startet er mit 65 bei Merrill Lynch eine Bankerkarriere.

Nun, zu seinem Geburtstag, stellt er Überlegungen an, doch endlich etwas kürzerzutreten. In seinem Umfeld mag aber kaum einer glauben, dass er diesen Posten oder seine zahlreichen Aufsichtsratsmandate aufgibt. Denn ein Entdecker der Langsamkeit wird er wohl auch mit 70 Jahren nicht mehr – es sei denn bei seinem abendlichen Glas Rotwein, ohne das für ihn kein Tag zu Ende geht. "Das brauch’ ich zum Runterfahren.“

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