Lothar Späth war Beamter, Politiker und Manager. Nun arbeitet er für die Investmentbank Merrill Lynch. Foto: ap
Als Ministerpräsident hatte Späth aber Fehler gemacht. Er hatte sich von Unternehmen einladen lassen. So stolperte er an jenem 13. Januar 1991 über die "Segeltörnaffäre“.
Kaum einer wäre nach so einem Tiefschlag wieder auf die Beine gekommen. Aber Lothar Späth startet durch. Keine drei Monate später berät er das Land Thüringen bei der Übernahme der Jenaer Carl-Zeiss-Stiftung und wird Jenoptik-Chef.
Er baut Tausende Arbeitsplätze ab und zimmert durch Übernahmen einen Technologiekonzern. Zu Spitzenzeiten setzt das Unternehmen über 2,6 Milliarden D-Mark um.
Auch wenn Späths Vision von einem großen ostdeutschen Technologiekonzern sich letztendlich nicht erfüllt, so hat sein Wirken bis zu seinem Ausscheiden vor vier Jahren die Entwicklung von Jena zu einer Technologie- und Wissenschaftsregion gefördert. Danach startet er mit 65 bei Merrill Lynch
eine Bankerkarriere.
Nun, zu seinem Geburtstag, stellt er Überlegungen an, doch endlich etwas kürzerzutreten. In seinem Umfeld mag aber kaum einer glauben, dass er diesen Posten oder seine zahlreichen Aufsichtsratsmandate aufgibt. Denn ein Entdecker der Langsamkeit wird er wohl auch mit 70 Jahren nicht mehr – es sei denn bei seinem abendlichen Glas Rotwein, ohne das für ihn kein Tag zu Ende geht. "Das brauch’ ich zum Runterfahren.“
