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11.01.2007 
Top-Frauen in der Finanzwelt

Karriere in Hosen

von Ruth Reichstein

Martine de Rouck hat oft erfahren müssen, dass bestimmte Posten bei gleicher Qualifikation eher an Männer vergeben werden. Die 50-Jährige hat es dennoch nach oben geschafft, denn als Chefin der belgischen Postbank gehört de Rouck heute zu den einflussreichsten Frauen Flanderns.

BRÜSSEL. Von klein auf wollte Martine De Rouck lieber ein Junge sein. Sie spielte Fußball, zog sich Hosen an und studierte nach ihrem Abitur 1974 Wirtschaftsmathematik in Brüssel. „Ich hatte immer das Gefühl, die Natur hätte sich bei mir getäuscht. Alles erschien mir leichter als Mann“, sagt die heute 50 Jahre alte Chefin der belgischen Postbank.

Und das gilt auch für ihre Karriere. Mehrmals habe man ihr zu verstehen gegeben, dass sie für einen bestimmten Posten eigentlich geeignet wäre, ihn aber auf Grund ihres Geschlechts nicht bekommen könne, sagt die Managerin.

Sie hat es trotzdem weit nach oben geschafft. Weiter als die meisten Frauen in der belgischen Finanzwelt. In der Fortis-Gruppe, der die belgische Postbank zu 50 Prozent gehört, gebe es auf ihrem Niveau höchstens noch zwei andere Frauen, meint De Rouck, die laut der belgischen Wirtschaftszeitschrift „Trends“ zu den 30 mächtigsten Frauen Flanderns gehört.

Zu Beginn ihrer Karriere vor 28 Jahren sei sie praktisch die Einzige in dieser reinen Männerwelt gewesen, erinnert sich De Rouck. „Ich habe mir damals fest vorgenommen, für meine Rechte und meine Karriere zu kämpfen.“ Und das ist der resoluten Bankchefin gelungen. Stetig kletterte sie die Karriereleiter bei Fortis nach oben. Sie leitete das Marketing für die Großregion Brüssel, war Chefin von mehreren Filialen und schließlich für die Buchhaltung der Gruppe in Belgien verantwortlich.

Überall ist sie erfolgreich – außer mit dem E-Banking in Frankreich. Das Projekt übernahm De Rouck vor fünfeinhalb Jahren von einem Kollegen. Die wachsende Konkurrenz und die einkrachenden Börsen brachten das Vorhaben zu Fall. Aber auch davon ließ sich De Rouck nicht einschüchtern. „Ich musste eine ganze Abteilung abwickeln – immerhin 40 Personen. Das hat mir nicht viel Ehre eingebracht, aber es gab auch keinen Karriereknick.“

Seit nunmehr vier Jahren steht die Flämin an der Spitze der 1995 von Fortis und der belgischen Post gegründeten Postbank, wieder mit Erfolg. Mittlerweile zählt das Institut rund 1,2 Millionen Kunden mit knapp einer Millionen Konten und 600 000 Sparbüchern. Der Marktanteil der Postbank bei den Sparbüchern wuchs in den vergangenen vier Jahren von zwei auf drei Prozent. Und das, obwohl sich die Postbank gegen zahlreiche Großbanken wie ING, KBC und eben auch Fortis durchsetzen muss.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Es ist nicht normal, dass Männer immer noch verhältnismäßig mehr verdienen.“

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