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13.02.2008 
Isabel Marey-Semper

Karriere mit grauen Mäusen

von Holger Alich

Das Handelsblatt stellt in seiner Serie Frauen vor, die es weltweit ins Topmanagement geschafft haben. Dieses Mal: Isabel Marey-Semper. Die promovierte Neurologin hat sich erfolgreich in der Männerwelt von Peugeot-Citroën durchgesetzt. Seit September 2007 ist sie Finanz- und Strategiechefin des französischen Autoriesen.

Weil Isabel Marey-Semper gerne unter Leuten ist, hat sie nach ihrer Promotion noch einen MBA gemacht. Illustration: Stefan BachmannLupe

Weil Isabel Marey-Semper gerne unter Leuten ist, hat sie nach ihrer Promotion noch einen MBA gemacht. Illustration: Stefan Bachmann

PARIS. Die Luft ist stickig. Die Klimaanlage müht sich in dem kleinen, fensterlosen Raum vergeblich. Dreißig Wirtschaftsjournalisten schwitzen und kämpfen nach zwölf Stunden Flug gegen die Müdigkeit.

Konzernchef Christian Streiff versucht, im Konferenzraum der Südamerika-Zentrale von PSA Peugeot für frischen Wind zu sorgen. Er redet über das Wachstum des französischen Autoriesen: "Allein im Jahr 2007 haben wir hier unseren Absatz um 30 Prozent gesteigert."

Aber nur eine Person verfolgt an diesem Dezembertag den Vortrag in Rio de Janeiro hellwach: Isabel Marey-Semper, die junge Finanz- und Strategiechefin. Ihre dunkelbraunen Augen fixieren Streiff, kein Detail scheint ihr zu entgehen. Als ein Journalist fragt, ob denn die Produktionskapazitäten in Südamerika für die Wachstumsziele reichen, übergibt Streiff kurzerhand an Marey-Semper.

"Wir überlegen in der Tat, ob wir weitere Kapazitäten in Mexiko aufbauen", antwortet sie mit fester, klarer Stimme - und reißt spätestens damit den letzten Kollegen aus dem Halbschlaf. Denn von einem neuen PSA-Werk in Mexiko war bislang nie die Rede.

In Frankreichs Großindustrie sind Frauen in Führungspositionen eine Seltenheit. Und von den wenigen, die es geschafft haben, hebt sich Isabel Marey-Semper nochmals ab: Sie ist gerade mal 40 Jahre alt. Und statt mit Autos oder Ingenieurskunst hat sie sich in ihrem Studium an der École Normale Supérieure mit Mäusen beschäftigt. "Genauer gesagt mit der Analyse von Mäusen, die an der Nervenkrankheit Parkinson erkrankt sind", erklärt sie.

Heute sitzt die Doktorin der Neurologie im Nervenzentrum von Europas zweitgrößtem Autokonzern und hat Premiere: Sie legt an diesem Mittwoch die erste Jahresbilanz vor, die sie mit verantwortet. Marey-Semper kümmert sich nicht nur um die Finanzen, sondern auch die Strategie. Sie ist damit eine der engsten Mitarbeiter von Konzernchef Streiff, der sie von Saint Gobain mitgenommen hat. Sie hat zum Beispiel Streiffs Strategieplan "Cap 2010" größtenteils mitgestaltet, mit dem der Auto-Konzern seine Marge auf sechs Prozent anheben will.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Es ist klar, dass Frauen doppelt so hart arbeiten müssen wie Männer, um akzeptiert zu werden."

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