0 Bewertungen
13.02.2008 

Also hing sie nach der Doktorarbeit noch einen MBA dran und ging zur Beratungsfirma Telesis. "Meine Eltern waren alles andere als begeistert", erzählt sie und lacht. Schließlich sind beide Eltern Professoren. Isabel Marey-Semper hatte aber ihr Ding gefunden. "Die Beratungsarbeit hat mir viel Spaß gemacht, wir haben viel an Übernahmen gearbeitet, und ich kam oft ins Ausland." Mitte der 90er-Jahre arbeitete Telesis für den Baustoffriesen Saint Gobain. Dort traf sie auf Christian Streiff. "Er sagte zu mir: Wenn du eines Tages genug von der Beratung hast, ruf mich an." Das tat sie im Oktober 2001.

Saint Gobain gilt als das Heiligtum der französischen Industrie. Der Konzern wurde vom legendären Colbert gegründet, Finanzminister von Louis XIV. Das Traditionsbewusstsein bekam denn auch die junge Quereinsteigerin zu spüren. "Die ersten sechs Monate waren sehr hart", gibt sie zu. Streiff machte sie zu seiner Strategie-Direktorin in der Sparte Hochleistungswerkstoffe. "Das war sehr kompliziert, schließlich umfasst die Sparte 80 Spezialbereiche."

Was treibt sie an, sich solche Jobs anzutun? "Ich mag es, etwas aufzubauen", sagt sie und fügt hinzu: "Und ich habe in der Tat die Macht, um Dinge zu tun. Und das finde ich gut."

Doch wie bei Streiff endet auch ihre Karriere bei Saint Gobain abrupt: Zunächst wird Streiff die Nummer zwei des Baustoffriesen, sie steigt zur Strategie-Chefin auf. Dann überwirft sich Streiff mit Konzern-Übervater Jean-Louis Beffa und wird gefeuert. Marey-Semper geht freiwillig und macht eine neue Erfahrung: Arbeitslosigkeit, neun Monate lang. Für Arbeitstiere wie sie ist das die Höchststrafe. Sie kümmert sich intensiv um ihre zwölfjährige Tochter und treibt mehr Sport und denkt nach. "Ich habe gelernt, selbst schwache Zeichen von politischen Spielchen zu erkennen", sagt sie vieldeutig.

Wenn man Streiff fragt, warum er so große Stücke auf Marey-Semper hält, guckt er verdutzt und antwortet dann mit einem breiten Lächeln: "Weil sie die Beste ist." Da stört es ihn nicht mal, dass Isabel Marey-Semper keinen Führerschein besitzt.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Isabel Marey-Sempers Weg zu PSA Peugeot-Ctroën

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Ein herber Verlust für die Telekom  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:33 Uhr von Sandra Louven

Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick verlässt den Konzern. Das bedeutet vor allem eines: ein weiteres Problem für Vorstandschef René Obermann. Eick war der Fels in der Brandung. Er hatte jahrelange Erfahrung mit den Eigenheiten des Bonner Konzerns. Und die sind im Fall der Telekom nicht zu unterschätzen. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Herber Verlust  Artikel in Merkliste

02.12.2008, 17:58 Uhr von Sandra Louven

Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick war der ruhende Pol im Vorstand der Telekom, er hatte die größte Erfahrung. Daher ist er kaum gleichwertig zu ersetzen. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige