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03.04.2008 
Michael Kern

Kehraus in der Werkstatt

von Mark C. Schneider

Michael Kern fegt seit vier Wochen als neuer Chef des kriselnden Autofilialisten ATU durch die Montagehallen – spätestens in fünfzehn Monaten will er die Wende schaffen. Der 52-Jährige versucht vor allem, mehr Firmen mit ihren Fahrzeugflotten als Kunden zu gewinnen.

Der ehemalige Kamps-Chef Michael Kern gilt als ehrgeizig. Beim Autofilialisten ATU will er in den kommenden Monaten kräftig aufräumen. Foto: dpa Lupe

Der ehemalige Kamps-Chef Michael Kern gilt als ehrgeizig. Beim Autofilialisten ATU will er in den kommenden Monaten kräftig aufräumen. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Michael Kern ist das, was sie in Bayern ein gestandenes Mannsbild nennen, jemand, der zupacken kann. Freimütig gibt er zu, dass er einem guten Essen nur schwer aus dem Weg geht. Da ist er an seiner Wirkungsstätte in Bayern erheblich besser aufgehoben als im ehemaligen Zonenrandgebiet Niedersachsens.

Fragt man Vertraute von Michael Kern nach den Beweggründen für seinen Wechsel von Wolfsburg zu Deutschlands größter, unabhängiger Werkstattkette nach Weiden in der Oberpfalz, lautet die Antwort: „Ehrgeiz“. Zuletzt Vertriebschef der Marke Volkswagen, wollte der ehemalige Boss der von VW verkauften Mietwagentochter Europcar seit langem zurück in den Chefsessel eines Unternehmens. „Michael Kern ist vom Typ her eher Unternehmer als Manager“, sagt ein Weggefährte.

Der Karriereschritt ist aus Kerns Sicht verständlich – zumal Volkswagens Konzernchef Martin Winterkorn ihm den Posten des Vertriebschefs auf Konzernebene versagte. Für die Wolfsburger könnte er sich allerdings als Bumerang erweisen. Vor allem die VW-Händler wundert, dass der Autokonzern ihn sang- und klanglos gehen ließ. Die Händler ärgern sich angesichts hoher Fixkosten ihrer Komplettwerkstätten schon jetzt über die wesentlich günstigere Konkurrenz durch ATU, Pitstop und Co.

„Und jetzt haben die zu allem Überfluss auch noch einen Insider an der Spitze“, wundert sich ein Händlervertreter. Kern durfte sogar früher aus seinem VW-Vertrag – und bereits am 1. März anfangen, statt wie vorgesehen erst am 1. April.

Vier Wochen ist Kern also jetzt im Amt. Rund 20 Filialen von gut 600 hat er bereits besucht. Oftmals anonym, mit seinem privaten Golf oder dem Dienstwagen, einer E-Klasse 320 CDI von Mercedes, berichten Mitarbeiter. Die Analyse fällt durchwachsen aus. Das Sortiment sei viel zu sehr in die Breite gegangen, zog Kern intern Bilanz. „Vogelhäuschen haben in unseren Shops nichts zu suchen“, zitiert ein Mitarbeiter den neuen ATU-Chef. Die Konsequenz ist klar: Kern verlangt, dass sich ATU wieder auf Kernprodukte rund ums Auto konzentriert. Dem Unternehmen sei das Profil verlorengegangen, heißt es in der Weidener Zentrale.

ATU soll in den Augen der Kunden wieder flächendeckend als die Meisterwerkstatt früherer Tage wahrgenommen werden: guter Service zu berechenbaren Preisen. Zudem will Kern eine bessere Grundauslastung erreichen, indem ATU mehr Firmen und ihre Fahrzeugflotten ins Haus holt. Zunächst sollen die Werkstätten besonders Mittelständler ins Visier nehmen. Dabei dürften dem Autoprofi seine Erfahrungen im Flottenmanagement zugute kommen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Im Autoglas-Geschäft trifft er auf seinen alten Arbeitgeber

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