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09.08.2007 
Konzernchefs

Keine Chance für Fremde

von Oliver Stock

Wie heißt eine dieser Lebensweisheiten, die wie die Messlatte eines Stabhochspringers ziemlich weit oben liegt? „Du sollst gehen, wenn es am schönsten ist.“ Von Nestlé bis Roche: In diesem Sommer werden so viele Schweizer Konzernchefs ausgewechselt wie nie.

Stühlerücken in schweizer Vorständen. Foto: dpaLupe

Stühlerücken in schweizer Vorständen. Foto: dpa

ZÜRICH. Die Chefs der großen Schweizer Unternehmen von Roche bis zur UBS, von Nestlé bis Novartis haben schon davon gehört und verhalten sich wie die Hochspringer: Einige schaffen es, einige reißen die Latte, und manche stolpern beim Anlauf. Beim Zuschauen mutet das ganze an wie ein großes Turnier: Denn noch nie sind innerhalb weniger Wochen mehr Chefs von Schweizer Blue-Chip-Konzernen gegangen oder haben ihre Ablösung angekündigt als in diesem Sommer. Es ist die Zeit des Wechsels, „in der die 40-Jährigen die 60-Jährigen ablösen“, sagt Rolf Soiron, Multi-Verwaltungsrat im kleinen Nachbarland mit den großen Firmen – und einer der am besten vernetzten Industrielenker.

Diese entspannte Erklärung ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere besteht darin, dass auch an der Schweiz die Diskussion um die Regeln der guten Unternehmensführung nicht spurlos vorübergegangen ist. Besonders die Unternehmenschefs, die gleichzeitig an der Spitze ihres in der Schweiz Verwaltungsrat genannten Aufsichtsgremiums sitzen, geraten unter Druck, ihr Doppelmandat aufzugeben.

Und noch etwas fällt auf: An die Spitze der Unternehmen gelangen nur Leute aus den eigenen Reihen. Die Schweizer scheuen sich offenbar, einem Außenstehenden die Führung zu überlassen.

Der erste Hochspringer verließ im Mai als Gewinner den Platz, genauer den Paradeplatz in Zürich, seinen Wettkampfort sozusagen: Oswald Grübel, Chef der Großbank Credit Suisse, ist gegangen, als es am schönsten war. Er hatte die Bank drei Jahre lang allein und zuvor mit einem eher ungeliebten Partner geführt und von einem notorisch von unliebsamen Überraschungen geplagten Institut zu einem Geldhaus mit einer klaren Strategie umgebaut. Er verabschiedete sich mit einem Rekordgewinn, schloss aus, dass er jemals wie andere Kollegen in mehreren Verwaltungsräten auftauchen werde und ward seither tatsächlich nicht mehr gesehen.

Ihm ist Brady Dougan gefolgt. Der ehemalige Chef der Investment-Sparte der Bank hat keinen einfachen Start. Ausgerechnet im Investment-Bereich brauen sich dunkle Wolken zusammen, seit große Hedge-Fonds straucheln und die Finanzierung von Firmenübernahmen als Einnahmequelle keine sichere Bank mehr ist. Dougan könnte also bald erfahren, was es heißt, wenn der Vorgänger geht, wenn es am schönsten ist: Es kann nur schlechter werden. Immerhin trifft auf das Duo Grübel/Dougan die Erklärung vom Generationswechsel zu: Der Abgänger ist 63, der Aufsteiger 47.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Dramen zwischen Konkurrenten

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