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18.10.2006 
Neuer Mann an der Spitze

Klaus Kaldemorgen: Das Gesicht der DWS

von Anke Rezmer

Mit Klaus Kaldemorgen kürt die größte deutsche Fondsgesellschaft, die DWS, einen außergewöhnlichen Mann zu ihrem Chef: Der 53-jährige Aktienspezialist ist wohl der bescheidenste Starmanager der deutschen Fondsszene. Doch seine Ernennung lässt strategische Fragen offen.

Klaus Kaldemorgen wird der Chef der DWS. Er ist bisher vor allem als Fondsmanager bekannt. Foto: dpaLupe

Klaus Kaldemorgen wird der Chef der DWS. Er ist bisher vor allem als Fondsmanager bekannt. Foto: dpa

FRANKFURT. Jeder kennt ihn, selbst die Konkurrenz schätzt ihn. Dennoch ist der Familienvater – er ist verheiratet und hat zwei Töchter – vom Erscheinungsbild her der Typ „sympathischer Mensch von nebenan“ geblieben. Mit diesem Image wurde er zum werbeträchtigen Aushängeschild der DWS. Graumelierter Vollbart, blauer Anzug, bunte Krawatte – so tritt er auf. Er fährt Mercedes. Nur am Wochenende ist in ungewohntem Outfit unterwegs. Er besitzt zwei Motorräder, eine Harley Davidson und eine Indian – beides keine Maschinen für Raser.

Der vom 1. Dezember an wichtigste Mann der deutschen Fondsszene dürfte seinem Arbeitgeber erneut einen großen Dienst erweisen, wenn er es schafft, das „Feuer herauszunehmen und wieder Ruhe in die DWS zu bringen“, wie ein Fondsinsider seine dringendste Aufgabe formuliert.

Denn die Wogen um eine neue strategische Ausrichtung und die Einbettung der Fondstochter in den Deutsche-Bank-Konzern sind hoch geschlagen, nachdem der noch amtierende Sprecher der DWS-Geschäftsführung Axel Benkner vor gut einer Woche seinen Rücktritt ankündigte. Benkner zieht sich damit angeblich aus dem Machtkampf mit dem mächtigen Leiter Asset Management bei der Deutschen Bank, Kevin Parker, zurück.

Insider trauen Kaldemorgen den neuen Job zu. Er steht nicht nur für Erfolg im Aktienfondsmanagement – sondern auch für Ruhe, Glaubwürdigkeit und Pragmatik. Dennoch, heißt es, kann er im Zweifel deutlich genug seine Meinung sagen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie Kaldemorgen sich seinen guten Ruf erarbeitet.

Seinen untadeligen Ruf hat sich Kaldemorgen in 24 Jahren „sehr solider“ Tätigkeit als Fondsmanager der DWS mit meist überdurchschnittlichen Ergebnissen erarbeitet. Mit der Karriere ging es steil bergauf: Nach seinem Studium der Volkswirtschaft ist er 1982 beim führenden Fondsanbieter eingestiegen. Seit 1991 leitet er das Aktienfondsmanagement, seit Juli 2002 das gesamte Aktienfondsmanagement. Seit 2003 ist er als Geschäftsführer für das Aktienfondsmanagement verantwortlich, seit Juli trägt er zudem den Titel „Global Head of Equities“, womit er weltweit die Aktienfonds der Gruppe verantwortet – ein Volumen von 130 Mrd. Dollar.

Menschen zu führen, trauen Mitarbeiter wie Konkurrenten dem Mittfünfziger mit dem vertrauensvollen Blick zu. In seinem Arbeitsplatz im Großraumbüro sitzt er als Chef nahe bei seinem Team und verwaltet zwei Flaggschiff-Aktienfonds weiter selbst. Die Leistung des Teams betont Kaldemorgen denn auch stets – ob es Erfolge zu feiern oder Niederlagen einzugestehen gibt. Dieser Punkt macht einen gewichtigen Teil seiner Glaubwürdigkeit aus: Fehler gibt er ohne Umschweife zu. Als einer seiner wichtigsten Fonds, der DWS Vermögensbildung I, vor drei Jahren eine schlechte Phase erwischte, bekannte Kaldemorgen: „Wir haben zu früh zu stark auf Europa gesetzt und das US-Gewicht zu niedrig gefahren.“ Der vielfach von Ratingagenturen wie Standard & Poor’s prämierte Fondsmanager und sein Team konnten es sich erlauben, ihrer Einschätzung treu zu bleiben – der Fonds erholte sich wieder.

In der Fondsbranche diskutieren die Experten nun, inwieweit der Fachmann mit dem soliden, aber deutschen Image den smarten, mächtigen Angelsachsen im Konzern der Deutschen Bank die Stirn bieten kann. Davon hängt viel ab – für die DWS und für die gesamte Bank.

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