Es ist im Jahr 2004, als Rose auf die Idee mit Digg kommt. Er arbeitet damals als Co-Moderator der Fernsehshow „The Screen Savers“, die auf dem kleinen High-Tech-orientierten Sender Tech TV läuft. Sein Lebenslauf bis dahin ist typisch für jene Ameisen des digitalen Booms: In Las Vegas, wo er auch aufgewachsen ist, studiert Rose Informatik. 1999 bricht er ab – Startups locken mit fetten Gehältern. Nach dem Platzen der Dotcomblase findet er bei Tech TV Unterschlupf als Produktionsassistent – und steigt auf zum Moderator. 2005 verlässt er den inzwischen mit dem Rivalen G4 fusionierten Sender und startet Revision 3, eine Produktionsfirma für Pod- und Videocasts.
Doch eigentlich will er etwas Größeres aufbauen. 2 200 Dollar sind im Dezember 2004 das Anfangsinvestment für Rose und seine drei Freunde.
Das Digg-Konzept lieben jene, die glauben, Internetnutzer könnten besser entscheiden, was sie lesen wollen, als Redaktionen. Dazu gehören Ebay-Mitgründer Pierre Omidyar und Netscape-Vater Marc Andreessen. Mit der Risikokapitalfirma Greylock investierten sie über 11,3 Millionen Dollar. Reicht das?
„Wir suchen keine neuen Geldgeber“, sagt Rose – obwohl Gerüchte aufkamen, Digg werde zum Objekt eines Bieterkampfes zwischen Google und Microsoft. Verhandlungsbasis: 300 Millionen Dollar.
Auch ohne frisches Kapital will Rose Digg ausbauen. Schon bald sollen Nutzer aufgrund ihres Abstimmungsverhaltens Empfehlungen bekommen – ähnlich wie beim Onlinehändler Amazon, bei dem es heißt: „Kunden, die dieses Buch gekauft haben, haben auch jenes gekauft.“ Außerdem soll sich die Digg-Gemeinde untereinander vernetzen.
Aber Kevin Rose mag auch nicht vom Videobloggen lassen: Mit seinem Freund Alex Albrecht moderiert er die wöchentliche Web-TV-Show „Diggnation“. Das Prinzip: Zwei Kumpel sitzen auf einer Couch, kritisieren Biere und Weine und reden über Internet-Themen.
Wie viele Menschen schauen sich das an? Rose überlegt kurz, dann sagt er ganz locker: „Och, so um 250 000“ – mehr als mancher TV-Sender zur besten Sendezeit.
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