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09.08.2006 
Weblog

Königin der Kontakte

von Thomas Knüwer

Arianna Huffingtons Debattierclub im Internet wurde erst belächelt – und sammelt jetzt Geld ein. Denn die Dame ist mit vielen Prominenten der US-Gesellschaft bekannt und überredete, diese bei ihrem Weblog mitzuwirken.

Kandidatin Arianna Huffington beim Gouverneurswahlkampf 2003 in Kalifornien. Foto: APLupe

Kandidatin Arianna Huffington beim Gouverneurswahlkampf 2003 in Kalifornien. Foto: AP

DÜSSELDORF. Der wertvollste Besitz von Arianna Huffington ist vielleicht ihr goldener Rolodex. Nicht wegen des Goldes, sondern wegen des Inhalts: Telefonnummern. Von Prominenten wie Star-Autor Norman Mailer, Hollywood-Legende Warren Beatty und Nachwuchspolitiker Robert F. Kennedy Jr.

Und Huffington hat nicht nur ihre Nummern – sie ist mit Hunderten großer Namen aus der US-Gesellschaft bestens bekannt. So gut, dass die 56-Jährige über 300 von ihnen im Frühjahr 2005 überreden konnte, an einem Projekt mitzuwirken, das in der Webszene für eine Totgeburt gehalten wurde: die „Huffington Post“ (www.huffingtonpost.com) – eine Mischung aus Weblog und Onlinezeitung. Und sie machen mit, schreiben regelmäßig oder gelegentlich exklusive Beiträge. Finanziert wird das Angebot über Onlinewerbung und den Verkauf von Artikeln an Yahoo. „Sie hat ein überlebensfähiges Geschäft erschaffen“, lobt Adam Penenberg, einer der bekanntesten IT-Journalisten der USA und zu Beginn der Huffington Post ein giftiger Kritiker.

Nun soll die Post weiter wachsen: Zum ersten Mal nehmen die Journalisten und ihr Partner Kenneth Lerer, ein Ex-AOL-Time-Warner-Manager, Geldgeber ins Boot. Fünf Millionen Dollar investierte die japanische Soft Bank Capital am Montag, auch der Kapitalgeber Greycroft Partners ist an Bord.

Huffington ist eben immer für eine Überraschung gut. Die gebürtige Griechin begann ihre Karriere als Journalistin in London. 1980 zog es sie in die USA, wo sie sich einen Ruf als konservative Kolumnistin machte.

Doch in den 90ern kam die politische Wende: Huffington distanzierte sich von den Republikanern und wandte sich den Demokraten zu. Sie selbst nennt sich „einen ehemaligen Rechtsflügler, der sich entwickelt hat zum mitfühlenden und fortschrittlichen Populisten“. 2003 versuchte sie sogar, gegen den konservativen Arnold Schwarzenegger im Rennen um das kalifornische Gouverneursamt anzutreten, brach den Wahlkampf jedoch ab.

Unzählig scheinen ihre Aktivitäten zu sein: Zehn Bücher hat sie bereits verfasst, von einer Picasso-Biografie bis zum Wirtschaftsbestseller; regelmäßig gastiert sie in TV-Sendungen; sie ist Mitmoderatorin der politischen Radiosendung „Left, Right & Center“; ihre Initiative Detroit Project will die Autoindustrie bewegen, umweltfreundlichere Fahrzeuge anzubieten. Kein Wunder, dass ihre Tage um fünf Uhr morgens beginnen und bis spät in die Nacht gehen. Ihr wichtigstes Arbeitsgerät: nein, nicht das Internet – natürlich das Telefon.

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