0 Bewertungen
28.07.2008 
Bankenwelt

Lenny Fischer: Der Stehauf-Banker

von Nicole Bastian und Oliver Stock

Seinen Aufstiegen in den Finanzolymp folgten einige Jahre später die Abstürze: Nun soll Leonard H. Fischer, besser bekannt unter dem Spitznamen Lenny Fischer, vom kommendem Jahr an in den Verwaltungsrat der Schweizer Privatbank Julius Bär Holding AG rücken. Ein prestigeträchtiger Posten, der Fischer erneut zurück in die Bankenwelt bringt.

FRANKFURT. Eigentlich ist bei einer typischen Bankerkarriere mit Mitte vierzig noch nicht die Zeit für honorige Aufsichtsratsposten. Aber Lenny Fischer hat schon immer die eher ungewöhnliche Laufbahn der glatten Karriereleiter vorgezogen.

In der Finanzwelt ist der hagere Schnelldenker mit der hohen Stirn auch jetzt unterwegs: Derzeit ist er Co-Chef des Finanzinvestores RHB International, einem Ableger der Beteiligungsgesellschaft Ripplewood. In dieser Funktion bietet Fischer für die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB mit und könnte bei einem Zuschlag auch wieder in der deutschen Bankenlandschaft mitmischen. Zudem sitzt der 45-Jährige dem Aufsichtsrat des Versicherers DBV-Winterthur vor.

Doch die beiden einschneidendsten Wendungen in seiner Karriere hatte er bei oder für Banken: Bei der Dresdner Bank stieg er zum jüngsten Vorstand auf. Und wurde dann nach der Übernahme der Dresdner durch die Allianz mit gerade einmal 39 Jahren 2002 wieder aus dem Vorstand gedrängt. Ein Richtungsstreit um die heute wieder intensiv diskutierte Zukunft der Investmentbanksparte Dresdner Kleinwort war einer der Gründe. Dass die unter Fischer abgeschlossene Übernahme der US-Investmentbank Wasserstein Perella wenig später als strategischer Fehler galt, ein weiterer.

Doch Fischer gelang das Comeback. "Man muss ein Stehaufmännchen sein", hat er einmal in einem Interview gesagt. Und wenige Monate später stand er an der Spitze des Versicherers Winterthur, den er für dessen Mutter, die Schweizer Großbank Credit Suisse, sanieren und verkaufen sollte. Das Projekt gelingt und Fisher wäre der Kandidat für die Nachfolge Oswald Grübels bei der credit Suisse gewesen. Doch statt ihm bekommt der Amerikaner Brady Dougan den Chefposten. Fischer geht. Wieder endet seine Karriere abrupt, aber diesmal ohne ein Fragezeichen hinter seinen Fähigkeiten. Gerade in der Schweiz hat der Fall Winterthur Lenny Fischer so manchen Fan beschert.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kreditklemme: Harte neue Welt  Artikel in Merkliste

03.12.2008, 20:08 Uhr von Robert Landgraf

Viele Unternehmer werden sich bald mit Wehmut an vergangene Zeiten erinnern. An Zeiten, in denen es einfach war, Kredite aufzunehmen, in denen sie ihnen von Banken regelrecht aufgedrängt wurden. Das gilt insbesondere für mittelgroße Firmen, die keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Kontrollierter Konkurs  Artikel in Merkliste

03.12.2008, 18:27 Uhr von Matthias Eberle

Lange ist es her, da nannten sie den weltgrößten Autokonzern „Generous Motors“. Kein anderes Unternehmen zahlte großzügiger. Jetzt soll die Regierung dafür zahlen, dass die US-Autoindustrie seit Jahren den internationalen Wettbewerb ignoriert und darüber hinaus Fahrzeuge baut, die der Kunde nicht mehr will. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige