Der mag so gar nicht zu Moldaschanowa passen: Die Stimme ist leise, ihre Art kontrolliert und zurückhaltend, aber nicht unterkühlt. Sie lacht gern, sieht sich aber durchaus auch als „aggressiver Manager“ – eine Eigenschaft, die sie vielen russischen Kollegen zuschreibt. „Wir mussten in einem Jahrzehnt aufholen, wofür der Westen ein Jahrhundert gebraucht hat. Wir mussten schnell sein“. Jetzt glaube man daran, alles zu können, sagt sie – mit einem leichten Anflug von Ironie. Sicher ist: Basic Element ist noch lange nicht am Ziel – der Konzern gilt als wenig transparent. In den kommenden Jahren sollen die vielen Töchter aber gelistet werden – und nach derzeitigem Stand am Ende auch die Mutter selbst.
Gutes Management bedeutet für Moldaschanowa: im Team zu entscheiden und den Erfolg auf viele Schultern zu verteilen, aber alleine die Verantwortung zu übernehmen, wenn etwas daneben geht. Fehler zuzulassen. Frauen seien gute Manager. Sie hätten den Blick fürs Detail.
Von Frauenförderung hält sie nichts: In Russland gibt es ein Netzwerk von Managerinnen, die sie schon mehrfach eingeladen haben. Sie ist aber nie hingegangen. „Für mich zählt Begabung, Einsatz und Loyalität“ und nicht das Geschlecht. Dass es Frauen in der russischen Macho-Geschäftswelt schwer haben, lässt sie nicht gelten. „Wenn es ums Geschäft geht, ist es oft Frauensache. Die Männer kommen nur um die Dokumente zu unterschreiben.“ Es gebe eine Menge weiblicher „Vizes“, die „den Job machen“. Frauen sollten es dennoch einfacher haben, Beruf und Karriere zu vereinen. Basic Element zahlt Müttern einen Kindermädchen-Bonus. Moldaschanowa selbst ist nach ihrer Scheidung „allein erziehend“. Ihre kleine Tochter wächst bei der Großmutter auf, die ihr auch den Haushalt führt.
Moldaschanowa fällt es schwer, von der Arbeit loszulassen. Einmal war sie ungeplant eine Woche nicht erreichbar – in Südamerika. Nach der ersten Panik habe sie sich aber unglaublich entspannt. Deshalb verordnet sie ihren Mitarbeitern: Wer im Urlaub ist, wird nicht angerufen. „Die Leute müssen einmal komplett abschalten, damit sie wieder Lust auf den Irrsinn im Job haben.“
Basic Element
Die Managerin
1966 Gulschan Moldaschanowa wird am 11. Juni im kasachischen Almaty geboren. Ihre Eltern lassen sich scheiden und sie wächst bei ihrer Mutter auf. Früh entwickelt sie ein Faible für Mathematik und beginnt nach der Schule ein Physik-Studium, dass sie mit Auszeichnung abschließt. Sie geht nach Moskau und promoviert an der renommierten Lomonossow Universität.
1995 Sie heuert bei Deripaska an und beginnt ihren Aufstieg in dessen Unternehmen Sibirskij Aluminium, dass schließlich zum Rusal-Konzern wird.
2000 Sie wird Marketing-Direktorin von Rusal und zwei Jahre später leitet sie bereits die Strategieabteilung.
2005 Gulschan Moldaschanowa wird Chief Executive Officer (CEO) der Holding Basic Element.
Das Unternehmen
In der Holding Basic Element hat der Oligarch Oleg Deripaska das Gros seiner unternehmerischen Aktivitäten gebündelt. Zu seinem Konzern gehören die sechs Sparten Luftfahrt, Energie, Maschinen- und Automobilbau, Ressourcen, Finanzdienstleistungen und Bau. In diesen Unternehmen arbeiten insgesamt mehr als 300 000 Menschen.
Der Gesamtumsatz aller Unternehmen im Deripaska-Reich betrug im Jahr 2006 rund 18 Milliarden Dollar. Der Wert der Unternehmensaktiva beläuft sich nach Konzernangaben auf mehr als 23 Milliarden Dollar.
CEO Gulschan Moldaschanowa, Chefin der Holding Basic Element, mehrt Deripaskas Vermögen: In den nächsten 20 Jahren prognostiziert sie ein durchschnittliches Wachstum von fünf bis sechs Prozent.
Oleg Deripaska ist heute nach Schätzung des russischen Magazins Finanz der reichste Russe. Der 40-Jährige macht mit 40 Milliarden Dollar fast Microsoftgründer Bill Gates Konkurrenz.
