Doch viele Analysten und Aktionäre verstört, dass Tata nun neben LKWs und Bussen für Schwellenländer sowie Geländewagen und dem Preiswunder Nano ausgerechnet zwei britische Traditionsmarken bauen und vertreiben will. Der Markt traut Tata nicht: Die Tata-Motors-Aktie gehört seit Monaten zu den Schlusslichtern an Bombays Börse.
Der Deal stellt Tata vor größte Herausforderungen. Die 2001 übernommene Teemarke Tetley zum Erfolg zu führen war dagegen ein Kinderspiel. Schließlich hatte Tatas Gruppe lange Erfahrung im Teegeschäft. Beim im Vorjahr für zwölf Milliarden Dollar gekauften Stahlkocher Corus winken riesige Kostensenkungen. Dessen europäische Werke kann Tata Steel mit billigem Rohstahl aus Indien versorgen – zudem kennen die Tatas das Stahlgeschäft in- und auswendig.
Autos bauen sie aber erst seit einem Jahrzehnt. Doch schon greift Tata an zwei Enden des Markts gleichzeitig an: hier billig, dort Premium. „Ich sehe nicht, wie die Firmen zusammenpassen sollen“, sagt Aquarius-Fondsmanager Thiyaga Rajan über Tatas Griff nach Jaguar und Land Rover. Der Enthusiasmus dafür sei bloß später Rache geschuldet: Schließlich entstanden beide Firmen zu einer Zeit, als Indien noch britische Kolonie war. Die Maharadschas fuhren gerne Jaguar. Doch das sichert heute keine Gewinne mehr.
Trotz seines bedächtigen Auftretens schreckt Gegenwind Ratan Tata nicht: „Wer mir eine Pistole an den Kopf hält, muss abdrücken.“ So trat er in die Spuren seines Urahnen Jamsetji Tata, der den Familienkonzern 1868 gründete. Der Industriepionier errichtete – gegen den Widerstand der Kolonialherren – Indiens erstes Stahlwerk, und auch das erste Wasserkraftwerk des Landes. Doch unter seinen Erben verkam die Firma zu einem schläfrigen, labyrinthisch verzweigten Konglomerat.
Diesem hauchte Ratan Tata neues Leben ein. Dabei halfen dem studierten Architekten Kreativität, Mut zum Querdenken und Motivationstalent. Skeptiker hat er bislang immer eines Besseren belehrt: Als er Indiens größten LKW-Bauer Tata Motors 1999 mit einem eigenen Modell ins Autogeschäft trieb, verspottete es der Volksmund als „Ratans Wolkenschloss“.
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