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01.07.2005 
Karriere

Mackie Messer macht das Rennen

von Tobias Moerschen

In den Büros und Handelsräumen der Investmentbank Morgan Stanley am New Yorker Times Square raunen sich Mitarbeiter bereits seit Tagen zu: "Mack, das Messer, kehrt zurück!" Der Aktienkurs reagierte auf das Gerücht bereits mit Kursgewinnen.

Wall-Street-Veteran John Mack galt vor der gestrigen Sitzung des Morgan-Stanley-Aufsichtsrats als Favorit für den vakanten Chefposten bei der, gemessen an der Bilanzsumme, zweitgrößten reinrassigen Investmentbank der Welt. Mehrere US-Medien berichteten unter Hinweis auf Aufsichtsratskreise, dass der 60-jährige Investmentbanker noch am gestrigen Donnerstag zum neuen Morgan-Stanley-Chef gekürt werden sollte. Ein Banksprecher kündigte gegenüber dem Handelsblatt "eine wichtige Nachricht" für den weiteren Tagesverlauf an.

Der einstige Anleihehändler, der fast 30 Jahre lang für Morgan Stan-ley arbeitete, steht als neuer Bank-Chef vor schwierigen Entscheidungen. Er muss das zerstrittene Wall-Street-Haus einen und die öffentliche Schlammschlacht der vergangenen Wochen beenden. In deren Mittelpunkt stand der bisherige Morgan-Stanley-Chef Philip Purcell. Die Kritik an dessen Führungsstil und der unterdurchschnittlichen Aktienkurs- und Gewinnentwicklung der Investmentbank hatten ihn veranlasst, vor gut zwei Wochen seinen Rücktritt zu erklären.

Der Neue muss also diplomatisches Geschick bei der Auswahl des künftigen Führungsteams beweisen. Mack muss eine Balance finden zwischen dem Purcell-Lager, zu dem etwa die amtierende Vizechefin Zoe Cruz gehört, und Purcell-Kritikern wie Vikram Pandit, dem kürzlich zurückgetretenen Ex-Chef des institutionellen Geschäfts.

Viele Morgan-Stanley-Mitarbeiter wünschen sich als neuen Chef John Mack, genannt "Mack das Messer" - wegen der harten Personalpolitik des einstigen Rugby-Spielers. "Johns Rückkehr wäre toll", sagte Morgan Stanleys Anlagestratege Byron Wien der "New York Times" und fügte hinzu: "Die Stimmung hat sich schon vor seiner Ernennung verbessert."

Der Sohn eines libanesisch-stämmigen Lebensmittelgroßhändlers aus der US-Provinzstadt Mooresville in Nord-Carolina setzte sich als Anleihehändler bei Morgan Stanley gegen elitäre Aktienhändler und Investmentbanker mit Privatschulausbildung durch.

Die Wahl Macks zum neuen Morgan-Stanley-Chef stellt in mehrerer Hinsicht eine 180-Grad-Wende dar. Der ruppige Banker verließ das Wall-Street-Haus vor vier Jahren, nachdem er einen Machtkampf mit Purcell verlor. Dieser ignorierte damals Macks Aufforderung, den Chefposten zu räumen. Mack berief sich dabei auf eine mündliche Vereinbarung, die beide angeblich 1997 vor der Fusion von Morgan Stanley mit dem Wertpapier- und Kreditkartenanbieter Dean Witter getroffen hatten. Danach habe Dean-Witter-Chef Purcell versprochen, die Führung des fusionierten Instituts nach fünf Jahren an Mack abzutreten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Mack feiert einen späten Triumph

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