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14.01.2009 
Richter weist Haftantrag zurück

Madoff muss nicht in Untersuchungshaft

von Matthias Eberle

Der mutmaßliche Milliarden-Betrüger Bernard Madoff muss auch nach einer erneuten richterlichen Überprüfung nicht in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft fürchtet nun, dass der Milliardenbetrüger sein verbleibendes Vermögen an Familie und Freunde transferiert.

Der mutmaßliche Finanzbetrüger Bernard Madoff verlässt das Bundesgericht in New York am Mittwoch als freier Mann. Foto: apLupe

Der mutmaßliche Finanzbetrüger Bernard Madoff verlässt das Bundesgericht in New York am Mittwoch als freier Mann. Foto: ap

NEW YORK. Ein Richter in New York wies auch den erneuten Haftantrag der Staatsanwaltschaft in einer Berufungsentscheidung am Mittwoch in New York laut US-Medien zurück. Es bestehe keine Fluchtgefahr.

Der New Yorker Staatsanwalt Marc Litt hatte zuvor gesagt, dass der 70-Jährige noch immer auf freiem Fuß lebe, sei eine „Gefahr für die Gesellschaft“. Er warnte vor einer weiteren Behinderung der Justiz, nachdem der Angeklagte bereits Juwelen und Luxusuhren im Wert von einer Mio. Dollar an Freunde und Verwandte verschickt hatte. Die Anklage fürchtet, dass Madoff auch sein verbleibendes Vermögen transferieren und damit „Gewinner und Verlierer seines Betrugsschemas auslesen“ könne, hieß es in einer Anklageschrift.

Jahrzehntelang hatte der Broker mit einem „Schneeball-System" vertrauensselige Anleger genarrt und dabei eigenen Angaben zufolge 50 Mrd. Dollar vernichtet. Noch kurz vor seiner Festnahme wollte er Ermittlern zufolge Reste des Firmenvermögens durch 100 bereits unterschriebene Schecks von mehr als 173 Mio. Dollar an Familie und Freunde ausschütten. Bisher steht Madoff zum Verdruss der Öffentlichkeit jedoch nur unter Hausarrest sowie unter elektronischer sowie intensiver persönlicher Überwachung. Vor seinem Hauseingang an Manhattans Upper East Side, 64th Street, frieren Scharen von Reportern, um jede Bewegung des geständigen Milliardenschwindlers zu dokumentieren.

Von dem Skandal sind Finanzhäuser, Stiftungen, Universitäten und vermögende Privatleute weltweit betroffen, und die Liste der Opfer wird fast täglich länger. Das „Wall Street Journal“ berichtete, dass die Genfer Vermögensverwaltung Union Bancaire Privee (UBP) 700 Mio. Dollar in Madoff-Fonds belassen habe, obwohl es an internen Warnungen nicht gefehlt habe. Anfang 2007 hätten Analysten der UBP Bedenken über Madoffs Geschäfte angemeldet und empfohlen, ihn von der Liste der zugelassenen Fondsmanager zu streichen, berichtete die Zeitung unter Verweis auf UBP-interne E-Mails.

Jede Nachricht über Warnungen im Vorfeld erhöht den Druck auf die US-Börsenaufsicht SEC, der in diesem Skandal milliardenschwere Versäumnisse vorgeworfen werden. In der Bankenwelt schöpften viele Häuser bereits lange Verdacht und machten mit Madoff keine Geschäfte. Die Börsenpolizei war jedoch nicht in der Lage, den Riesenschwindel trotz diverser Tipps zu enttarnen.

Welch riesigen Kreise der Fall zieht, ist insbesondere bei den vielbeschäftigten US-Anwaltskanzleien zu sehen. Als die Sozietät Proskauer Rose kürzlich in einer Telefonkonferenz über den Skandal informierte, wählten sich 1 300 Madoff-Anleger ein: „Unsere Mandanten waren in Panik, in Schock“, sagte Jay Waxenberg von Proskauer.

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