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23.06.2006 
Alder wird neuer Chef von TDC

Man trifft sich immer zwei Mal

von Oliver Stock

Da ist er wieder. Der drahtige Mann mit dem Kurzhaarschnitt, dessen einziges äußerliches Zeichen bei innerer Anspannung ein leichtes Rot auf den Wangen ist. Fünf Monate nur hat er es in der Versenkung ausgehalten: Jens Alder, bis Anfang dieses Jahres Chef der Schweizer Telekomgesellschaft Swisscom, wechselt zur dänischen Konkurrenz TDC, wie beide Unternehmen am Donnerstag bestätigten.

Jens Alder erwartet ein Wechselbad der Gefühle. Foto: dpaLupe

Jens Alder erwartet ein Wechselbad der Gefühle. Foto: dpa

ZÜRICH. Es dürfte für den agilen Manager ein Wechselbad der Gefühle werden: Die Swisscom leidet als eine der letzten mehrheitlich staatlichen Telekomunternehmen in Europa unter dem unberechenbaren Einfluss der Politik, der es um Themen wie Grundversorgung, Arbeitsplätze und eine gewisse Überschaubarkeit bei Expansionen geht. Alder schmiss deswegen die Brocken hin.

TDC dagegen ist eine seit diesem Jahr komplett von ausländischen Investorengruppen beherrschte Telekomfirma. Den Besitzern geht es nur um eines: Rendite. Die muss Alder jetzt liefern. Dass er das kann, konnte er bei Swisscom nur bis zu einer gewissen Schamgrenze unter Beweis stellen.

Es ist der 20. Januar 2006: Seit zwei Monaten ist die Swisscom das Top-Thema unter eidgenössischen Managern. Mit Mitleid und Respekt beobachten sie, wie ihr Kollege Alder einen hoffnungslosen Kampf gegen die Regierung in Bern führt. Dort überlegt sich allen voran Justizminister Christoph Blocher, was passieren könnte, wenn die Swisscom, die in ihrem engen Heimatmarkt kaum Wachstumschancen hat, ihre Ankündigung wahr macht und im Ausland auf Einkaufstour geht.

Der Kauf der irischen Eircom steht bevor. Und auch mit der dänischen TDC wird offenbar gesprochen. Alder hat das jedenfalls nie dementiert.

Blocher allerdings sieht Ungemach am Horizont: Die Swisscom könnte in ausländische Arbeitskämpfe verwickelt werden, der Aktienkurs unter Druck geraten, der Bund säße auf einem Milliardenrisiko. Mit dem Justizminister als treibende Kraft im Rücken verbietet der Bund als Mehrheitsaktionär kurzerhand seiner Telefonfirma jeglichen größeren Expansionsschritt im Ausland.

Alder, der seit Jahren nichts anderes als die Expansion predigt, ist blamiert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Seine Wangen glühen. Aber er ist zäh.

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