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01.09.2008 
Commerzbank-Chef im Profil

Martin Blessing: Sunnyboy mit Glanzstart

von Hans G. Nagl

Top-Manager bekommen frisch im Amt normalerweise 100 Tage Schonfrist. Nicht so Martin Blessing. Der Commerzbank-Chef hat schon kurz nach seinem Amtsantritt sein Meisterstück abgeliefert.

Martin Blessing: Mit dem Dresdner-Coup dürfte dem Commerzbank-Chef ein Stein von der Seele gefallen sein. Foto: dpaLupe

Martin Blessing: Mit dem Dresdner-Coup dürfte dem Commerzbank-Chef ein Stein von der Seele gefallen sein. Foto: dpa

FRANKFURT. Der im Mai angetretene Top-Banker hat nur ein paar Tage mehr gebraucht, um die Milliardenfusion mit der Dresdner Bank einzufädeln - und damit sein vor 138 Jahren gegründetes Haus in eine neue Liga katapultiert. Auch wenn die Arbeit für Blessing und sein junges Team damit erst beginnt, kann sich der 45-Jährige zu Gute halten, das erste Mammut-Projekt in seinem neuen Job erstklassig und in Rekordzeit erledigt zu haben.

Blessing selbst dürfte mit seinem Coup ein Stein von der Seele gefallen sein. Denn mit einer Marktkapitalisierung von 13 Mrd. Euro ist sein Haus klein im Konzert der Großen. Dem Spross aus traditionsreicher Bankerfamilie war seit langem klar, dass er hier schnell zuschlagen musste - wollte er nicht selbst gefressen werden. Wie man in kniffligen Situationen clever verhandelt, konnte Blessing unter anderem bei seinem Vater Werner abgucken, der einst im Vorstand der Deutschen Bank saß. Seine Frau Dorothee ist Partnerin bei Goldman Sachs und Großvater Karl stand von 1958 bis 1969 an der Spitze der Bundesbank.

Auf den ersten Blick scheint Blessing selbst hingegen so gar nichts mit der mitunter drögen und arrivierten Finanzszene am Hut zu haben. Auf Statussymbole gibt der Vater dreier Töchter genauso wenig wie auf Einstecktücher oder Formalitäten. Der ein oder andere in Frankfurt will ihn gelegentlich im überfüllten Mini-Van mit Familie durch die Gegend kutschieren sehen. Und mit seinem spitzbübischen Grinsen wirkt der gebürtige Bremer ohnehin eher wie der Wunsch-Schwiegersohn jeder Mutter.

Tabelle: Commerzbank und Dresdner im Vergleich

Unterschätzen sollte man ihn dennoch nicht. Blessing kann schnell ungeduldig werden - intern wird er als überaus fordernd beschrieben.

Seine Karriere hat der Hobby-Marathonläufer, der möglichst dreimal die Woche vor dem Gang ins Büro trainiert, eher im Sprint-Tempo angegangen. Dabei wirkt es fast wie Ironie des Schicksals, dass Blessing sie mit einer Banklehre bei der Dresdner Bank begann. Danach folgte ein Wirtschaftsstudium in St. Gallen, 1989 der Start bei McKinsey. Zeitweise arbeitete er in New York und wurde mit nur 31 Jahren zum Partner gewählt. Vor ihm hatte das noch keiner geschafft. 1997 ging es zurück zur Dresdner, für die er in der Folge die Direktbank Advance Bank-Tochter leitete.

2001 holte der damalige Bankchef Klaus-Peter Müller den Überflieger in den Commerzbank-Vorstand. Dort durfte Blessing umgehend das Privatkundengeschäft aus den tief roten Zahlen holen. Als das erledigt war, baute er die Mittelstandsbank auf - heute die ertragreichste Sparte des Instituts. Damit erhielt die Commerzbank, die Jahre zuvor noch selbst am Abgrund stand, ein Profil und eine Strategie. Nebenbei trieb er die Osteuropa-Expansion voran. Dass bei Müllers Wechsel an die Aufsichtsratsspitze die Wahl auf ihn als Nachfolger fiel, überraschte niemand. Und bislang scheint Blessings Amtsvorgänger ein glückliches Händchen bewiesen zu haben.

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