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10.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 17:03 Uhr 
Wolfgang Prock-Schauer

Mayday, Mayday – Bombay!

Der Wiener Wolfgang Prock-Schauer hat die indische Jetairways saniert und ganz nach oben gebracht. Jetzt muss er sie trotz explodierender Treibstoffkosten und ruinösen Wettbewerbs oben halten. Außerdem sucht der 51-Jährige ein neues Drehkreuz in Europa.

Mit neuen Maschinen des Typs Airbus 330-200 greift Jetairways in Europa an. Foto: apLupe

Mit neuen Maschinen des Typs Airbus 330-200 greift Jetairways in Europa an. Foto: ap

ISTANBUL. Frank und frei ist Wolfgang Prock-Schauer nicht auf den Vorstandsvorsitz von Jetairways geflogen. Halb sank der Österreicher hin. Halb zog ihn Naresh Goyal, der Gründer und Chairman der indischen Fluglinie.

Als der Wunschkandidat des etwa 1,55 kleinen wie listigen Selfmademillionärs aus Indien zu lange zögert, lässt der frank und frech eine indische Tageszeitung titeln: „Prock-Schauer new CEO of Jet“. Die Nachricht überrascht nicht nur Prock-Schauer, sondern auch seinen damaligen Arbeitgeber Austrian Airlines – und verselbstständigt sich.

Wolfgang Prock-Schauer weiß, warum er im Jahr 2003 zögert. Der Auftrag, Jetairways zu einer der führenden Fluggesellschaften der Welt auszubauen – und zwar quantitativ wie qualitativ, „in den Abläufen Lufthansa und im Service Singapore Airlines“ –, ist eigentlich ein Himmelfahrtskommando.

Nach 22 Jahren Austrian Airlines etwas alpenmüde, startet Prock-Schauer dann aber bei der Bombayer Fluggesellschaft durch. Mit einem für das Geschäftsjahr 2008 (bis Ende März) erwarteten Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar ist Jetairways heute die zweitgrößte Fluggesellschaft Indiens – nach der staatlichen Air India – und schreibt seit 2004 schwarze Zahlen. Für Pünktlichkeit und Service gibt es Preise. In Europa fliegt Jetairways nach London und Brüssel und hat bereits einen dritten Standort – München, Mailand, Zürich oder Wien – auf dem Radar.

Aber entspannt zurücklehnen kann sich der 51-jährige Österreicher heute noch weniger als früher.

In einem Wachstumsmarkt zu wachsen ist das eine. Bei explodierenden Ölpreisen, ruinösem Preiskampf und sinkender Nachfrage in der Luft zu bleiben ist das andere.

„Jetzt ist der Zeitpunkt in meiner Karriere erreicht, an dem es gilt, die Nerven zu bewahren und meine Fähigkeiten zu beweisen“, sagt Prock-Schauer. Von kleiner Statur, mit lockigen, grauen Haaren und kleinen, braunen Augen sieht er aus wie der jüngere Bruder eines anderen österreichischen Luftfahrtmanagers von Weltrang: Wolfgang Mayrhuber, seit 2003 Vorstandschef von Lufthansa.

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