Der Rekordölpreis und der harte innerindische Konkurrenzkampf mit der fusionierten Air India/Indian Airlines und Kingfisher hat Jetairways – aber im wahrsten Sinne des Wortes – schon auf den Boden gebracht. Zwei der 20 nagelneuen Langstreckenmaschinen vom Typ B777 hat Prock-Schauer aus dem Verkehr gezogen. Und für das gerade begonnene Geschäftsjahr 2009 ist er am Rande der von Krisenszenarien geprägten Jahrestagung des Weltluftfahrtverbands IATA in Istanbul „nicht mutig genug“ oder, wie er sich verbessert, „nicht übermütig genug, einen Gewinn zu prognostizieren“.
Der Sinkflug ist eine neue Erfahrung für Prock-Schauer und für Jetairways – nach einem nicht enden wollenden Steigflug. Der Turn-around gelingt dem gebürtigen Wiener, der nicht den übertriebenen Küss-die-Hand-schöne-Frau-Stil pflegt, sondern locker-herzlich auftritt, gleich in seinem ersten Geschäftsjahr bei Jetairways. Der Jahresgewinn von 41 Millionen Dollar bei einem Umsatzplus von 30 Prozent auf 789 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 2004 ist die Basis für den Börsengang.
Die zehntägige Roadshow, die er gemeinsam mit Jetairways-Gründer Naresh Goyal zum Jahreswechsel 2004/2005 durchzieht, um Investoren zu gewinnen, führt von Bombay nach Singapur und Hongkong, weiter nach Los Angeles, Boston und New York, schließlich nach London und zurück nach Bombay. Die „Wahnsinnstour“ zahlt sich aus. Die Aktien für 20 Prozent der Anteile sind im Februar 2005 mehrfach überzeichnet. Die erlösten 432 Millionen Dollar fließen in den Schuldenabbau und das Auslandsgeschäft.
Der Mann der großen Auftritte ist Prock-Schauer, dessen Vertrag bis Mai 2009 läuft, bis heute nicht. Während der umtriebige Goyal in Istanbul im Veranstaltungsblatt „Airline Business Daily“ in großer Aufmachung vor ruinösen Preiskämpfen warnt („The whole industry is in trouble. Basically we all have to behave and stop this irrational pricing“), wirkt Prock-Schauer im Hintergrund. Im Kongress-Saal in Istanbul ist er selten zu sehen. Er pflegt bei der Tagung des Weltluftfahrtverbandes IATA das Vieraugengespräch – in der Lobby oder in der Bar im 14. Stock.
