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22.03.2006 
Ex-Starbanker Frank Quattrone

Mehr Glück als Al Capone

von Tobias Moerschen

Nach dem gleichen Muster wie bei den Prozessen gegen den legendären Mafiaboss Al Capone klagte die Staatsanwaltschaft der Stadt New York Frank Quattrone an, den als „Pate des Internetbooms“ bekannten früheren Star-Investmentbanker. Nun ist auch der zweite Prozess gegen Ex-Starbanker geplatzt.

Frank Quattrone. Foto: APLupe

Frank Quattrone. Foto: AP

NEW YORK. Weil die Ankläger Capone eine Verwicklung ins organisierte Verbrechen nicht hatten nachweisen können, landete er wegen Steuerhinterziehung hinter Gittern. Nach dem gleichen Muster klagte die Staatsanwaltschaft der Stadt New York Frank Quattrone an. Behinderung der Ermittlungsbehörden und Zeugenbeeinflussung lauten die Vorwürfe. Denn die Ankläger konnten nie den Verdacht erhärten, dass Quattrone illegal Aktien aus heißen Internet-Börsengängen an Freunde und Geschäftspartner verteilte, die ihm dafür Aufträge zuschusterten. Dieses Vorgehen ist in den USA verboten.

Am späten Montag hob ein Berufungsgericht den erst im zweiten Anlauf erkämpften Schuldspruch gegen Quattrone auf. Die Verurteilung beruhte auf einer einzigen E-Mail, worin der Banker seine Mitarbeiter zur Vernichtung von Dokumenten aufgefordert hatte, in denen die Ankläger mögliches Beweismaterial sahen. Die Geschworenen hätten Quattrone im Mai 2004 unter „fehlerhaften Instruktionen“ des Richters verurteilt, schreibt das Berufungsgericht in seiner Urteilsbegründung. Die drei Richter verwiesen den Fall zurück an das zuständige Bezirksgericht in New York. Die Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob sie zum dritten Mal gegen Quattrone und sein exzellentes Anwaltsteam antritt.

Damit zahlt sich für Quattrone die aggressive Prozesstaktik seines Anwalts John Keker nachträglich aus. Der bullige Keker hatte sich während des wochenlangen Prozesses 2004 harte Wortgefechte mit dem vorsitzenden Richter Richard Owen geliefert, dem er Parteilichkeit vorwarf. Owen, ein bescheidener älterer Herr, der täglich mit der U-Bahn zum Prozess fuhr, äußerte im Prozess Erstaunen über Quattrones dreistellige Millionengehälter. Spürbar war im Prozesssaal im Süden Manhattans die Spannung zwischen Quattrone und seinem hochbezahlten Team von Anwälten und PR-Beratern auf der einen und den beiden jungen, ehrgeizigen Staatsanwälten Dave Anders und Steven Peikin auf der anderen Seite. Obwohl der kleine, weißhaarige Richter Owen sich um Objektivität bemühte, schnitt er Quattrones Verteidigern weitaus öfter das Wort ab als den Klägern. Unter den Prozessbeobachtern bezweifelte niemand, dass seine Sympathien bei den Staatsanwälten lagen.

Als Fehler kreiden die Berufungsrichter Owen nun seine Instruktionen an die Jury an. Owen habe den Geschworenen nicht erläutert, dass sie Quattrone nur verurteilen durften, wenn sie ihm kriminelle Absicht unterstellten. Falls die Staatsanwaltschaft erneut vor Gericht zieht, muss ein anderer Richter das Verfahren leiten. Es wäre der dritte Prozess gegen Quattrone, nachdem die Geschworenen sich im ersten Anlauf im Oktober 2003 nicht auf ein Urteil hatten einigen können. Der zuständige Staatsanwalt teilte mit, er „prüfe das Urteil und alle Optionen“.

Die Entscheidung bedeutet einen Rückschlag für die strafrechtliche Aufarbeitung der Exzesse des Internet-Börsenbooms. Quattrone, einst der mächtigste und mit 120 Mill. Dollar Gehalt allein für das Jahr 2000 der bestbezahlte Investmentbanker, symbolisiert die Auswüchse der High-Tech-Hysterie. Der hochgewachsene, schnauzbärtige Enkel eines italienischen Einwanderers brachte Internet-Giganten wie Amazon, Cisco Systems und den später von AOL übernommenen Webbrowser Netscape an die Börse.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Quattrone ging nicht zimperlich vor.

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