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04.03.2008 
Jacob Wallenberg verkauft Scania

Mehr Sein als Schein

von Helmut Steuer

Jacob Wallenberg führt die milliardenschwere Holding der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg und hat seinen ganz eigenen Führungsstil entwickelt: Er fehlt, als der Verkauf des Mehrheitsanteils am schwedischen LKW-Riesen Scania an Volkswagen bekannt gegeben wird. Das operative Geschäft überlässt er anderen. Er selbst bleibt lieber bescheiden im Hintergrund, zieht dort die Fäden.

Jacob Wallenberg zieht gerne im Hintergrund die Fäden. Foto: apLupe

Jacob Wallenberg zieht gerne im Hintergrund die Fäden. Foto: ap

HB STOCKHOLM. „Welcome“ leuchtet auf der großen Leinwand im feinen Stockholmer Restaurant „Operaterassen“. Zwei großen Schatten zeichnen sich auf dem weißen Tuch ab: die von Martin Winterkorn, VW-Chef, und Börje Ekholm, Chef von Investor, der Holding der mächtigen schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg. Beide diskutieren, lachen, witzeln über irgendetwas. Gelöste Stimmung.

Doch derjenige, der den längsten Schatten wirft, fehlt gestern. Jacob Wallenberg, Aufsichtsratschef von Investor und, zusammen mit seinem Cousin Marcus Wallenberg, Statthalter des schwedischen Familienimperiums.

Nach über 90 Jahren als Hauptaktionär bei dem rentablen LKW-Hersteller veräußert die einflussreiche Familie über Investor und eine Reihe Stiftungen alle ihre Anteile an Scania. „Ein schwerer Beschluss“, sagt Investor-Chef Börje Ekholm, „aber ein richtiger.“ Und auch Jacob Wallenberg dürfte die Entscheidung nicht leichtgefallen sein. „Scania war seit der Bildung von Investor vor neunzig Jahren immer ein wichtiger Teil für uns“, sagte er gestern in Stockholm. Und lieferte dann auch die Begründung für den Verkauf: „In den vergangenen acht Jahren waren wir nur Minderheitsaktionär bei Scania. Jetzt ist es wichtig, dass die Eignerstruktur deutlicher wird.“ Dass Investor und die Wallenberg-Stiftungen insgesamt 2,9 Mrd. Euro für den rentabelsten LKW-Hersteller der Welt einstreichen können, tröstet über nostalgische Gefühle hinweg.

Nein, Minderheitsbeteiligungen sind nichts für die Wallenbergs. Entweder ganz oder gar nicht. Ein bisschen gibt es in der Vorstellungswelt der mächtigen Familie nicht. Die Familiendynastie kontrolliert nahezu alle namhaften schwedischen Unternehmen. Ob die Wallenberg-Hausbank SEB, ob Telekommunikationsausrüster Ericsson, Haushaltsgeräte-Riese Electrolux, ob Saab, Atlas Copco, Stora Enso oder Husqvarna – kaum einer dieser Konzerne kann eine Entscheidung ohne das Placet der Wallenbergs treffen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Einzigartige Machtposition

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