Ironie der Geschichte: Schrempps Vision vom Weltkonzern mit Chrysler und Mitsubishi entsorgte der von ihm geförderte Zetsche im vergangenen Jahr. „Die sogenannte Welt AG ist gescheitert“, sagt Reuter, durchaus triumphierend.
Ihm war das reine Autobauen zu wenig: „Ich wollte dem Unternehmen neue Dimensionen eröffnen.“ Schrempp hingegen wollte die Welt AG, ihm reichte Mercedes-Benz nicht. Beide Konzepte kosteten die Anleger viel Geld. Geblieben ist nach 20 Jahren strategischem Hin und Her nur eine starke Marke Mercedes-Benz.
Ausgangspunkt für die Kratzer am Daimler-Stern ist der 29. Oktober 1983, als der damalige Konzernchef Gerhard Prinz auf dem Hometrainer einem Herzversagen erliegt. Der visionäre Finanzchef Edzard Reuter gilt als Favorit für die Nachfolge. Doch Aufsichtsratschef Wilfried Guth vom Großaktionär Deutsche Bank entscheidet sich für Entwicklungschef Werner Breitschwerdt.
Reuter findet sich damit nicht ab. Vier Jahre tobt in Stuttgart-Untertürkheim ein unerbittlicher Machtkampf. Gemeinsam mit dem robusten Mercedes-Produktionschef Werner Niefer setzt der machtbewusste Jurist Reuter den zarter besaiteten Breitschwerdt unter Druck.
Reuter ist überzeugt, dass der Markt für Luxuslimousinen seine Grenzen erreicht. Sein Plan: Der Autobauer Daimler-Benz soll ein integrierter Technologiekonzern werden. Der Finanzchef unterbreitet dem Daimler-Vorstand ein Strategiepapier „zur Verbreiterung der Unternehmensbasis“. Nolens volens lässt Breitschwerdt Reuter und Niefer gewähren. In nur neun Monaten kaufen sie für drei Milliarden Mark die Münchener Maschinen- und Turbinen Union, das Friedrichshafener Luftfahrtunternehmen Dornier und den Hausgerätehersteller AEG.
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