16 Jugendliche haben die Zeit im Seehaus erfolgreich beendet und sind in die Freiheit entlassen worden. Zwei davon haben kürzlich eine Ausbildung abgeschlossen und sind übernommen worden, zwei sind rückfällig geworden und sitzen wieder in Adelsheim. Zehn Straffällige sind direkt vom Seehaus ins Gefängnis zurückgekehrt. „Meist von sich aus, weil es ihnen bei uns zu stressig war“, wie Merckle sagt. Geflohen ist noch keiner.
Im Seehaus können bis zu 14 Jugendliche aufgenommen werden. Es ist einer der beiden Standorte des Projekts Chance, der andere ist das Kloster Frauental in Creglingen (Baden-Württemberg). Initiiert und gegen manche Widerstände durchgesetzt hat es Landesjustizminister Ulrich Goll (FDP). Seit Beginn dieses Jahres bekommt das Seehaus 203 Euro pro Häftling und Tag aus dem Landeshaushalt. „Die laufenden Kosten sind bei Vollbelegung gedeckt, Investitionen nicht“, sagt Merckle. Deshalb ist der Seehaus-Trägerverein Prisma zusätzlich auf Spenden angewiesen. Vom Familienunternehmen hat Merckle in der Anfangsphase eine Bürgschaft bekommen und „einiges an finanzieller Hilfe“.
Merckle sitzt im Aufsichtsrat von Heidelberg Cement, im Merckle-Familienbeirat und hat „noch ein, zwei andere Posten“. Im Mittelpunkt steht aber seine Arbeit als Geschäftsführer von Prisma. Obwohl er seinen eigenen Weg gewählt hat, klingt er wie ein Unternehmer, wenn er sagt: „Es ist toll, zu sehen, wie sich die Investition in die Jugendlichen lohnt.“
Nun will der 37-Jährige expandieren. Wenn die dritte Seehaus-WG im Mai fertig ist, können in Leonberg bis zu 18 Jugendliche unterkommen. Der komplett renovierte Gutshof wird am Ende 30 Plätze bieten. Nachdem das Projekt Chance bundesweit lange einzigartig war, wird der freie Jugendstrafvollzug jetzt auch in Brandenburg verwirklicht. In anderen Bundesländern gibt es ähnliche Bestrebungen. Merckle möchte auch dort Projekte aufbauen. Der Verein Prisma hat sich bereits in Sachsen beworben.
