Sollte Merrill seinen Chef vor die Tür setzen, dürfte sich auch der Druck auf andere Top-Banker erhöhen, die durch die Finanzkrise angeschlagen sind. Dazu gehört zum Beispiel Citigroup
-Chef Charles Prince, der über die Sommermonate durch Abschreibungen und höhere Kreditkosten fast 6,5 Mrd. Dollar verloren hat. In die Kritik geraten ist auch James Cayne, der Chef von Bear Stearns
. Die Investmentbank mussten nicht nur zwei ihrer Hedge-Fonds schließen, sondern verzeichnete im Krisenquartal auch einen Gewinneinbruch von 60 Prozent.
Die Führungskrise bei Merrill könnte nicht nur O?Neal den Job kosten, sondern auch der Bank ihre Unabhängigkeit. Der Marktwert von Merrill liegt bei knapp 57 Mrd. Dollar. Die von O?Neal selbst angedachte Fusion mit Wachovia
ist nur eine von mehreren denkbaren Alternativen. Als mögliche Interessenten werden auch Bank of America
(BoA) und JP Morgan
Chase genannt.
Lauren Smith, Analystin beim Investmenthaus Keefe, Bruyette & Woods, hält Wachovia
jedoch für den besten Partner. Mit einer Armee von gut 25 000 Brokern würde ein Zusammenschluss beider Häuser aber die Wettbewerbshüter alarmieren.
Noch ist unklar, wer das Schicksal von Merrill künftig bestimmen wird. Neben Fink werden noch die Merrill-Manager Gregory Flemming und Robert McCann sowie der New Yorker Börsenchef John Thain als Kandidaten ins Spiel gebracht. Für Fink spricht jedoch nicht nur, dass er Blackrock zu einem der weltweit größten Asset Manager mit einem verwalteten Vermögen von gut einer Billionen Dollar gemacht hat. Nachdem der 54-jährige Ende der 80er Jahre als Banker bei First Boston selbst verlustreiche Erfahrungen mit verbrieften Hypothekenanleihen sammeln musste, gilt er als einer der gewieftesten Risikomanager an der Wall Street. So hat sich Blackrock frühzeitig aus dem riskanten Hypothekengeschäft zurückgezogen. Fink wurde vor zwei Jahren bereits als Nachfolger für den damals geschasste Morgan-Stanley
-Chef Philip Purcell gehandelt. Den Job bekam am Ende John Mack.
Für O?Neal geht es nicht nur um Amt und Ehre, sondern auch um viel Geld. Sollte er vor seinem Abgang noch eine Fusion unter Dach und Fach bringen, könnte er etwa 200 Mill. Dollar mit nach Hause nehmen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Merrill-Chef ohne eine Fusion und mit einer deutlich geringeren Abfindung vor die Tür gesetzt wird.
