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01.09.2008 
Allianz-Chef im Profil

Michael Diekmann: Der kühle Westfale

von Axel Höpner

Hinter der begrünten Fassade der Allianz-Zentrale in München wird Vorstandschef Michael Diekmann geachtet, geliebt aber nicht von allen. Der 53-jährige Mann an der Spitze hat bei Allianz hart durchgegriffen, die Dresdner Bank aber anfangs zu sehr an der langen Leine gelassen.

Michael Diekmann: Der 53-Jährige dürfte froh sein, dass nun offenbar eine Lösung für das Problem Dresdner Bank gefunden ist. Foto: apLupe

Michael Diekmann: Der 53-Jährige dürfte froh sein, dass nun offenbar eine Lösung für das Problem Dresdner Bank gefunden ist. Foto: ap

MÜNCHEN. Gefühle trägt der Westfale Michael Diekmann äußerst ungern nach außen. Stets kontrolliert und diszipliniert führt der 53-Jährige Europas größten Versicherungskonzern. Doch auch wenn er sich nur ungern hinter die Maske schauen lässt: Der 53-Jährige dürfte froh sein, dass nun eine Lösung für das Problem Dresdner Bank gefunden ist. Denn gekauft hatte das Sorgenkind zwar einst Vorgänger Henning Schulte-Noelle. Als Vorstand aber hatte Diekmann die Entscheidung mitgetragen. So sind im Lauf der Jahre die Belastungen bei der Banktochter auch sein ganz eigenes Problem geworden. Das war ihm in den vergangenen Monaten nach Einschätzung mancher Beobachter durchaus anzumerken.

Äußerlich gefasst und gewohnt kontrolliert tritt Diekmann im Mai 2008 vor die Aktionäre. Das blonde Haar ist wie immer akurat gescheitelt, der Anzug sitzt. Die Allianz, sagt er gleich zur Einleitung mit kontrollierter, emotionsloser Stimme, habe zum zweiten Mal in Folge den höchsten Gewinn eingefahren, den je ein deutsches Unternehmen erzielt hat. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch Diekmann weiß auch, dass ihm alle Erfolgszahlen an diesem Tag nichts nützen werden. "Trennen Sie sich von der Bank, sonst werden Sie von der Bank getrennt", wird ihm gleich ein Aktionär entgegenschleudern, So nervös wie bei der Hauptversammlung, meint ein Münchener Versicherungs-Manager, der als Aktionär dabei war, habe er den stets so beherrschten Westfalen noch nicht erlebt. In Diekmanns Umfeld wird dagegen betont, dieser sei sehr konzentriert und nicht nervös gewesen.

Viel hat Diekmann seit Übernahme des Konzerns angepackt, viel ist ihm geglückt. Als er 2003 die Führung von Europas größtem Versicherungskonzern übernimmt, hat dieser gerade sein schlechtestes Ergebnis seit Jahrzehnten hinter sich. Unter dem Strich steht ein Verlust von 1,2 Mrd. Euro. Das Bankgeschäft vor allem ist schuld daran. Die Krise an den Kreditmärkten und eine hohe Risikovorsorge belasten. Diekmann, sagte Vorgänger Henning Henning Schulte-Noelle beim Stabwechsel, sei "der richtige Mann im richtigen Alter, die Verantwortung zu schultern".

Der neue Mann an der Spitze tut, was von ihm erwartet wird: Diekmann greift hart durch. Der studierte Jurist treibt das Engagement in den Wachstumsmärkten voran und zerschlägt die verkrusteten Strukturen im Deutschlandgeschäft. Konfliktfrei geht das nicht. Der massive Stellenabbau trotz Rekordgewinns stößt erwartungsgemäß auf Empörung, zudem müssen viele der bei der Allianz so mächtigen Provinzfürsten entmachtet werden. Diekmann räumt auf, was über Jahre und Jahrzehnte liegen gelassen worden war.

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