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16.10.2007 

Ramaciottis Liebe zum Design kommt allerdings nicht nur in wohlgesetzten Worten zum Ausdruck. Schlendert der neue Designchef in der zum „Centro Stile“ umfunktionierten Fabrikhalle zum Transporter Fiorino, kommt es vor, dass er ihm sanft über die Ablage streicht. Beim für das kommende Jahr geplanten Lancia „Delta“, deckt er die Plane auf, lässt sich Zeit, diesen noch einmal kritisch zu betrachten.

Aber Ramaciotti hat auch eine andere, wesentlich sachlichere Seite. „Er ist ein Manager von Designprozessen, der Kreativität zähmen kann“, heißt es in Industriekreisen. Designerallüren, etwa das Zahlenwerk zu verschmähen, sind Ramaciotti nach eigenen Angaben fremd: „Ein Kreativer ist kein absolutes Genie, er muss sich auch an Budgets halten.“ Lowie Vermeersch, heutiger Designdirektor von Pininfarina und ehemaliger Mitarbeiter von Ramaciotto, beschreibt seinen ehemaligen Chef fast schwärmerisch: „Er ist leidenschaftlich und gründlich auf der ständigen Suche nach der Balance zwischen Vernunft und Gefühl.“ Als einzigen Mangel des „unermüdlichen Arbeiters“ fällt Vermeersch nur die große Naschsucht seines Ex-Chefs ein.

Ein anderer Wegbegleiter aus Pininfarina-Zeiten urteilt: „Er ist nicht der typische Stilist.“ Aber er wisse, was er an einem Entwurf ändern müsse, damit es ein Erfolg werde. Ramaciotti bevorzugt einen informellen Führungsstil – die Tür zu seinem Büro ist stets offen. „Ich fühle mich hier wie der ältere Bruder, der ein wenig mehr Erfahrung hat und die einbringt“, sagt er in Hinblick auf die junge Truppe, mit der sich der Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne umgibt. Er weist darauf hin, dass ein älterer Torwart mit jungen Stürmern ein gutes Team bilde. So sieht er seine Rolle als Coach, der nicht selbst zeichne, sondern die Richtung vorgebe.

Trotz derartiger Vergleiche aus der Fußballwelt muss Ramaciotti allerdings einräumen: „Ich bin ein wenig unitalienisch: Ich rauche nicht, ich spiele nicht, ich mag keinen Wein und bin kein Fußballfan.“ Seine Liebe zu Italien scheint dies nicht zu beeinflussen. Denn leben würde er nirgendwo anders wollen. So lehnte er im Laufe seiner Karriere auch ein Angebot eines deutschen Autoherstellers ab, weil er die Landschaft, die Denkmäler, das Essen und das Klima seiner Heimat nicht missen möchte. „Auf meinen Reisen durch die Welt lerne ich wunderschöne Orte kennen. Doch wenn ich nach Hause komme, bin ich zufrieden.“

Ramaciotti ruht in sich selbst. Und er steht heute selbstbewusst zu seinen Misserfolgen: Den unter seiner Regie entworfenen Ferrari F 50 bezeichnet er ohne Umschweife als „Rifrittura“ – ein aufgewärmtes Essen, „dem es an Innovation mangelte“. Einer seiner ersten Misserfolge liegt mittlerweile 40 Jahre zurück: 1967 hatte er sich an dem Wettbewerb des Designhauses Bertone – dem Erzkonkurrenten von Pininfarina – für Nachwuchsdesigner beteiligt. „Zu meiner großen Enttäuschung wurde in dem Jahr kein Preis verliehen, weil das Niveau der Teilnehmer zu niedrig war“, erzählt er heute lachend.


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