2 Bewertungen ***
09.06.2008 
Tarifverhandlungen bei der Lufthansa

Mit Takt zum Pakt

von Tanja Kewes

Bei der Lufthansa droht ein Streik. Personalvorstand Stefan Lauer will verhindern, dass es so weit kommt. Kein einfaches Unterfangen, denn er muss mit Gewerkschaftern verhandeln, die sich untereinander spinnefeind sind.

In schwierigen Verhandlungen: Lufthansa-Personalchef Stefan Lauer.Lupe

In schwierigen Verhandlungen: Lufthansa-Personalchef Stefan Lauer.

FRANKFURT. Wenn sich für einen Piloten der Lufthansa Schlechtwetter-Turbulenzen am Horizont abzeichnen, ist das schlimm. Noch böser aber wird es, wenn der Arbeitsdirektor ebenfalls absehen kann, dass es ihn und seinen Arbeitgeber bald kräftig durchrütteln wird. Stefan Lauer würde sicher bestätigen, dass sich vor ihm eine Gewitterfront aufbaut, aber er tritt dieser Tage weder öffentlich auf, noch macht er zitierfähige Aussagen. Dafür ist der 53-jährige Jurist, seit acht Jahren Arbeitsdirektor der Lufthansa und schon als nächster Vorstandschef gehandelt, zu gewieft.

In den gerade gestarteten Tarifverhandlungen mit dem Boden- und Kabinenpersonal hat er es gleich mit zwei Gewerkschaften zu tun - und die sind sich spinnefeind: die Dienstleistungsgesellschaft Verdi und die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation, kurz Ufo. Damit nicht genug: Eine andere Schlacht, die mit den Pilotenvertretern um den Einsatz der neuen Regionaljets von Embraer, ist auch noch nicht geschlagen. Bei den Piloten stehen sich ebenfalls zwei verfeindete Lager gegenüber: Verdi und die Vereinigung Cockpit (VC).

Still und leise, mit einem leichten Lächeln und "sehr sachlich" empfing Lauer am vergangenen Montag die Vertreter von Verdi und Ufo - wie gewünscht nacheinander und in zwei Räumen. An die Piloten schrieb er im Mai einen neunseitigen Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, in dem er für den Einsatz der Embraer-Jets in der günstig operierenden Lufthansa-Cityline plädiert. An die Öffentlichkeit und in die Offensive geht Lauer noch nicht. Weiter hofft er, dass sich die Funktionäre mit ihren Forderungen nicht weiter gegenseitig überbieten und die Tarifeinheit gefährden.

Die stille Post, die der Lufthanseat spielt, ist ein riskantes Spiel. Für die größte deutsche Fluggesellschaft geht es um viel: Bräche ein Streik los, käme er teuer zu stehen. Denn ein Streiktag in der Luftfahrt ist ein verlorener Tag, ausgefallene Flüge können nicht durch Sonderschichten aufgeholt werden. Die Warnstreiks bei den Regionalfluggesellschaften Cityline, Eurowings und beim Billigflieger Germanwings wirbelten im Mai den Flugbetrieb von Lufthansa mächtig durcheinander. Es waren Ausfälle, die sich Lufthansa bei Rekordölpreis und nachlassender Nachfrage nicht leisten kann. Weitere Warnstreiks im Juni und Streiks ab Juli könnten Lauer selbst die Aussicht auf den Vorstandsvorsitz kosten.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kreditklemme: Harte neue Welt  Artikel in Merkliste

03.12.2008 von Robert Landgraf

Viele Unternehmer werden sich bald mit Wehmut an vergangene Zeiten erinnern. An Zeiten, in denen es einfach war, Kredite aufzunehmen, in denen sie ihnen von Banken regelrecht aufgedrängt wurden. Das gilt insbesondere für mittelgroße Firmen, die keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Kontrollierter Konkurs  Artikel in Merkliste

03.12.2008 von Matthias Eberle

Lange ist es her, da nannten sie den weltgrößten Autokonzern „Generous Motors“. Kein anderes Unternehmen zahlte großzügiger. Jetzt soll die Regierung dafür zahlen, dass die US-Autoindustrie seit Jahren den internationalen Wettbewerb ignoriert und darüber hinaus Fahrzeuge baut, die der Kunde nicht mehr will. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige