Auch bei seinem wichtigsten unternehmerischen Projekt verfolgt er seine Ziele als Chefeinkäufer: der Fusion mit Deutschlands größtem Energiekonzern Eon. Er treibt das Projekt, durch das das 1926 gegründete Traditionsunternehmen immerhin seine Selbstständigkeit verlieren wird, vehement voran. Er hofft, dass es Ruhrgas eine neue Dimension in der Erdgasbeschaffung eröffnet. Der Importeur soll, mit dem finanzkräftigen Eon-Konzern im Rücken, endlich auch in die Produktion von Gas einsteigen und sich neue Quellen erschließen.
Mit ebensolcher Beharrlichkeit wie Bergmann über Lieferverträge verhandelt, kämpft er deshalb gemeinsam mit dem damaligen Eon-Chef Ulrich Hartmann für eine Fusion, die eigentlich undenkbar scheint. Ruhrgas wird damals durch ein kompliziertes Geflecht von Eigentümern kontrolliert. Vor allem aber blockiert der damalige Präsident des Bundeskartellamts, Ulf Böge, den Zusammenschluss. Über eineinhalb Jahre lang ringen Bergmann und Hartmann. Aber Anfang 2003 ist die Fusion durch.
Die Entschlossenheit, mit der Bergmann wettbewerbsrechtliche Bedenken beiseite wischt, um einen globalen Spieler zu schaffen, kann er lange nicht abstreifen. Groß geworden in einer Welt, in der Ruhrgas als deutscher Monopolist frei schalten und walten kann, stemmt er sich zu lange gegen eine wirkliche Liberalisierung des Marktes, bemängeln Kritiker. „Bergmann verrennt sich. Er ist ein Gasmanager vom alten Schlag“, sagt ein Kenner des Konzerns.
Der gebürtige Westfale hält stur an alten Regelungen fest, die nicht mehr tragbar sind: lange Lieferverträge beispielsweise, mit denen Ruhrgas Stadtwerke über Jahrzehnte an sich bindet. Während andere Gashändler längst klein beigeben, liefert sich Bergmann mit Kartellamtspräsident Böge einen langen Schlagabtausch. „Wir weisen marktfremde Einschränkungen des Kartellamts zurück“, tönt Bergmann. Letztlich muss er nachgeben. Ererkennt, dass der Marktführer wegen der öffentlichen Kritik an hohen Preisen die Liberalisierung mitgestalten muss. Als Nachfolger bestellt Eon-Chef Wulf Bernotat mit Reutersberg bewusst einen Vertriebsprofi, keinen Einkäufer.
Auf den kommen nun schwierige Zeiten zu. Als Bergmann im Januar ein letztes Mal eine Rede – seine 15. – auf der Handelsblatt-Energietagung, dem wichtigsten Branchentreff, in Berlin hält, klingt das fast wie ein Vermächtnis. Ausführlich schildert er die vielen Herausforderungen für die Gasunternehmen: zunehmender Wettbewerb, scharfe Regulierung, Klimaschutz, unsichere Bezugsquellen. Er selbst, schließt Bergmann, „werde das künftig als interessierter Beobachter“ verfolgen. Die Branche verabschiedet ihn mit langem Applaus – Bergmann ist sichtlich gerührt. Es fällt ihm, der eher steif und distanziert wirkt, in geselliger Runde aber mit trockenem Humor besticht, sichtbar schwer loszulassen.
Aber er muss auch nicht ganz loslassen. Im Gazprom-Direktorium etwa wird er Eon weiter vertreten.
