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03.06.2008 
Marco Tronchetti Provera

Money aus Italy

von Mark C. Schneider

Marco Tronchetti Provera hat Deutschland wiederentdeckt und hier zu Lande viel vor: Der Pirelli-Chef will nicht nur in die Produktion von Hochleistungsreifen, sondern auch ganz groß ins Immobiliengeschäft investieren.

Marco Tronchetti Provera ist eine Institution in der italienischen Wirtschaft. Foto: dpa.Lupe

Marco Tronchetti Provera ist eine Institution in der italienischen Wirtschaft. Foto: dpa.

BREUBERG. An Tor 31 des Chartersektors am Frankfurter Flughafen steigt der hochgewachsene Mann mit den silberweißen Locken hinten links in die bereitstehende Limousine, eine bronzene S-Klasse von Mercedes-Benz. Das Ziel des italienischen Vorzeigeindustriellen Marco Tronchetti Provera, Präsident des Pirelli-Konzerns und für viele Landsleute die Reinkarnation des legendären Fiat-Patriarchen Gianni Agnelli, liegt in der hessischen Provinz: Es geht nach Breuberg im Odenwald.

Vor mehr als zehn Jahren war er zum letzten Mal dort. Bewundernd äußert sich Tronchetti Provera, der fließend Englisch spricht und den Dolmetscher wegschickt, über den Standort Deutschland. „Wir werden in Deutschland weiter investieren, weil die Qualität der Produkte so hoch ist“, kündigt Provera an. Im Odenwald ist die größte deutsche Reifenfabrik mit einer Jahresproduktion von zehn Millionen Stück, ein Fünftel der vom Konzern hergestellten Reifen.

Die zelebrierte Höflichkeit ist alles andere als Zufall. Pirelli wittert nicht nur im Kerngeschäft viel Profit. Für die börsennotierte Immobilientochter Pirelli Re ist Deutschland mit einem verwalteten Vermögenswert von 3,5 Milliarden Euro ein großer Markt. Fast ein Drittel ihres Geschäftes machen die Italiener zwischen Hamburg und München. „Wir konzentrieren uns auf Deutschland und wollen unsere Position hier weiter stärken“, sagt Tronchetti Provera dem Handelsblatt. „Mittelfristig sehen wir große Chancen. Die Immobilienpreise in Deutschland sind niedriger als in anderen Ländern Europas.“ Derzeit beteiligt sich Pirelli Re an der Mehrheit der vom Warenhauskonzern Arcandor genutzten Karstadt-Immobilien. Dazu könnten eines Tages die Objekte der Metro-Tochter Kaufhof kommen. „Momentan ist das keine Perspektive“, sagt Tronchetti Provera. Dementis klingen anders.

Italien entdeckt seine neue Liebe zum nördlichen Nachbarn. Antonio Puri Purini, Italiens Botschafter in Deutschland, springt seinem prominenten Landsmann bildreich bei: Italien sei in der Pflicht, „Anschluss an die deutsche Lokomotive“ zu halten. „Das ist die wichtigste Sauerstoffzufuhr für uns“, sagt der Diplomat. Tronchetti-Provera, dessen Ex-Frau zum Pirelli-Clan gehört, bedankt sich und geleitet ihn zum Dienst-Alfa.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Er traut VW eine Menge zu

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