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03.07.2008 
Firmenchef geht

Müllers Milchzentrifuge

von Martin Buchenau

Der Molkerei-Patriarch Theo Müller verschleißt seinen vierten Nachfolger. Der selbstbewusste ehemalige Metro-Manager Thomas Hübner geht bereits nach zwei Monaten.

Theo Müller zwischen einigen seiner Milchprodukte. Foto: dpaLupe

Theo Müller zwischen einigen seiner Milchprodukte. Foto: dpa

STUTTGART. Aretsried ist ein kleines mittelschwäbisches Dorf mit knapp 300 Einwohnern 25 Kilometer westlich von Augsburg. Kaum jemand würde es kennen, befände sich dort nicht das Hauptquartier der Großmolkerei Müller. Der Höhenzug Riedel, der das Schmuttertal vom Becken der Reischenau trennt, bildet in Aretsried eine Senke und schützt das Dorf in der Regel vor allzu rauer Witterung.

Jetzt hat es allerdings mal wieder ordentlich gekracht in der ländlichen Idylle. Nach nur zwei Monaten muss der familienfremde Chef Thomas Hübner wieder seinen Posten räumen. Mit dem 50-Jährigen ehemaligen Metro-Manager geht der dritte Chef binnen eineinhalb Jahren. Die Chemie zwischen dem international erfahrenen Handelsmanager und dem eigenwilligen Patriarchen soll nicht gestimmt haben. "Grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung", führt ein Sprecher an.

Hübner sollte für Müller-Milch die Internationalisierung vorantreiben. Darüber sei es aber mit dem Inhaber zum Streit gekommen, berichtet ein Vertrauter. Der selbstbewusste und finanziell als unabhängig geltende Schweizer Hotelierssohn konnte seine Vorstellungen offensichtlich nicht durchsetzen und zog schnell die Konsequenz.

Theo Müller hat die Dorfmolkerei seines Vaters mit vier Mitarbeitern in vier Jahrzehnten zum hinter Danone zweitgrößten Molkereikonzern in Europa geformt. Eine gigantische Lebensleistung des heute 68-Jährigen. Aber an der schwierigsten Aufgabe scheint er zu scheitern: einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Zu Hübners Antritt hatte Müller noch gesagt: "Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, einen so erfolgreichen und international erfahrenen Experten zu gewinnen." Hübner brachte eigentlich alle Voraussetzungen mit, um den Konzern weiterzubringen: Er kannte seine künftigen Großkunden aus dem Handel seit vielen Jahren. Schon 2002 war er an die Spitze von Metro Cash & Carry berufen worden. Davor hatte er für Metros Selbstabholermärkte als Osteuropa-Chef die Expansion erfolgreich vorangetrieben. Die Tricks der Einkäufer der deutschen Handelskonzerne kannte Hübner aus dem Effeff. Genutzt hat es ihm wenig. Ein internationaler Handelskonzern ist eben etwas anderes als ein Produktionsunternehmen mit einem Eigentümer, der bereits im Jahr 2003 aus der operativen Führung ausgeschieden ist, aber wohl nicht loslassen kann.

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