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10.09.2008 
Murdoch-Mann übernimmt das Ruder

Murdoch feuert Premiere-Chef Börnicke

von Christoph Hardt und Axel Höpner

Die Spatzen haben es seit Tagen von der Frauenkirche gepfiffen: Die Zeit von Michael Börnicke, gerade einmal 376 Tage an der Spitze des einzigen deutschen Bezahlsenders, geht zu Ende. Seit Mittwochabend ist es Tatsache. Mit sofortiger Wirkung wurde ein Murdoch-Vertrauter auf den Posten berufen.

Den Kampf gegen Murdoch verloren: Premiere-Chef Michael Börnicke muss nach nur 376 Tagen im Amt aufgeben. Foto: dpaLupe

Den Kampf gegen Murdoch verloren: Premiere-Chef Michael Börnicke muss nach nur 376 Tagen im Amt aufgeben. Foto: dpa

MÜNCHEN. Nachfolger des glücklosen Finanzfachmanns, der das Amt am 1. September 2007 vom charismatischen Premiere-Chef Georg Kofler übernommen hatte, wird der bisherige Premiere-Aufsichtsrat Mark Williams. Der Murdoch-Vertraute wird vorläufig zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. In dieser Zeit wird sein Aufsichtsratsmandat ruhen. Williams ist derzeit Finanzvorstand Europa und Asien in Murdochs Holding News Corporation.

Das Verhältnis Börnickes zu den von Murdoch entsandten Aufsichtsratsmitgliedern galt schon länger als angespannt. Schon im Sommer hieß es, primäres Ziel von Murdoch sei eine „knallharte Kernsanierung“ des Pay-TV-Anbieters; demnach stand auch die Auswechslung von Teilen des Managements seit längerem zur Diskussion.

Mit der Entlassung Börnickes habe Murdoch nun die Reißleine gezogen, heißt es in Branchenkreisen. Medien hatten am Wochenende behauptet, der Bezahlsender befinde sich in deprimierendem Zustand, seine Zahlen seien noch weit schlechter als die ohnehin vorsichtigen Annahmen von Murdoch beim Kauf des Aktienpaketes Anfang dieses Jahres.

Dem Sender setzen nach eigenen Angaben seit längerem „Schwarzseher“ zu, die die Programme kostenlos sehen, weil sie die Verschlüsselung umgehen. Im zweiten Quartal hatte der Sender 38 Mill. Euro Verlust geschrieben.

Doch hatte Börnicke, der im Vergleich zum begnadeten Verkäufer Kofler stets blass wirkte, schon mehrfach groß verkündete Ansagen nicht umsetzen können. Daher stand er nach Einschätzung von Kennern bei Murdoch auf der Abschussliste. Nur habe der 77 Jahre alte Milliardär warten wollen, bis Anfang 2009 die Bundesligarechte neu vergeben werden. Diese für Premiere überaus wichtige Entscheidung sollte nicht gefährdet werden. Jetzt haben der Ernst der Lage und die Unruhe unter Banken und Investoren dazu geführt, dass Murdoch die Geduld doch schneller verloren hat.

Gleichzeitig wurde München von einer anderen Medien-Personalie erschüttert: Leo Kirch hat sich überraschend von seinem Vertrauten Dejan Jocic getrennt. Der 36-Jährige sei nicht mehr Geschäftsführer der Kirch-Firma Sirius, sagte ein Sprecher. Laut Branchenspekulationen wird Jocic vorgeworfen, neben seiner Arbeit für Sirius Geschäfte auf eigene Rechnung betrieben zu haben. Jocic war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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