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30.08.2005 
John Mack sorgt für Ruhe, bleibt der Strategie seines Vorgängers aber treu

Nach der Nacht der langen Messer

von Tobias Moerschen

Durch Morgan Stanley, die größte reinrassige Investmentbank der Welt, fegte bis vor wenigen Wochen eine Revolte. Ex-Chef Philip Purcell feuerte in einer Nacht der langen Messer reihenweise Topmanager, die sich gegen ihn verschworen hatten. Investmentbanker verschanzten sich in ihren Büros und boykottierten anberaumte Friedensgespräche. Der Börsensender CNBC entsandte eine Reporterin, die tagelang vor der Morgan-Stanley-Zentrale am Times Square stand und über den Machtkampf im Innern berichtete.

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HB NEW YORK. Aus, vorbei. Seit der Veteran John Mack am ersten Juli die Führung bei Morgan Stanley übernahm, ist Ruhe bei dem traditionsreichen Wall-Street-Haus eingekehrt. Spekulationen um eine mögliche Aufspaltung oder gar einen Verkauf Morgan Stanleys sind verstummt.

Der 60-jährige Mack hat die Probleme in der Wertpapierberatung und bei der Kreditkartentochter Discover angepackt, allerdings ohne bislang vom strategischen Gesamtkurs seines Vorgängers abzuweichen. Spektakuläre Schritte erwarten Analysten erst in einigen Jahren von ihm.

Überraschenderweise erntet Mack Lob von den gleichen Analysten, die Morgan Stanley zuvor scharf kritisierten. „Mir kommt es darauf an, dass die Probleme mit einer gut begründeten Strategie angegangen werden“, sagt Analyst Jeffery Harte vom US-Wertpapierhaus Sandler O'Neill, „das Ergebnis ist dabei zunächst zweitrangig“.

Mack arbeitete fast 30 Jahre lang für Morgan Stanley, zuletzt als Stellvertreter von Ex-Chef Purcell. Der stets in bestes Tuch gekleidete Sohn libanesischer Einwanderer zählte 1997 zu den Architekten der Fusion zwischen der New Yorker Investmentbank Morgan Stanley und dem Chicagoer Kreditkarten- und Wertpapierhaus Dean Witter Discover. Mack verließ Morgan Stanley 2001 zwar im Streit nach einem verlorenen Machtkampf mit Purcell, um die Wall-Street-Tochter der Schweizer Großbank Credit Suisse Group zu übernehmen.

Doch Mack bleibt nach seiner Rückkehr der alten Strategie treu, einen großen, breit diversifizierten Finanzdienstleister zu schmieden. „Größe ist wichtig in unserem Geschäft, weil sie die Fähigkeit verleiht, Risiken einzugehen“, sagte Mack in einem Fernsehinterview nach seinem Ruf an die Morgan-Stanley-Spitze. Sein Vorgänger und Ex-Kontrahent Purcell freut sich im Exil, „dass Mack die Strategie fort-setzt“, wie Purcell der „New York Times“ mitteilte.

Tatsächlich hat der neue Chef zwar eine Reihe von Verwaltungspositionen mit treuen Gefolgsleuten besetzt. Dazu zählt Morgan Stanleys neuer Chefjurist Gary Lynch, der wie andere Experten mit Mack bei Credit Suisse arbeitete. Zum Investment-Banking-Chef ernannte Mack den langjährigen Morgan-Stanley-Banker Walid Chammah, mit dem er libanesische Wurzeln teilt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Macks bislang größter Coup

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