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24.10.2007 

Gleichzeitig haben sich durch das entschlossene Auftreten von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt die Chancen für andere Gashändler – Newcomer oder auch Konkurrenten aus dem Ausland wie Gaz de France, Eni oder Essent – deutlich verbessert. Sie buhlen aggressiv um Ruhrgas-Kunden, Stadtwerke, Regionalversorger und Industrieunternehmen. Reutersberg weiß, dass sein Unternehmen den Marktanteil von derzeit rund 50 Prozent nicht wird halten können.

„Der Gasmarkt steht vor gravierenden Veränderungen“, stellt er nüchtern fest. Den klassischen Kunden, der sich über Jahrzehnte hinweg an „seine Ruhrgas“ bindet, gibt es nicht mehr. Das Unternehmen, dass bislang fast 80 Prozent seines Absatzes von 700 Mrd. Kilowattstunden in Deutschland erzielt, wird aggressiver im Ausland wachsen müssen.

Die Aufseher um Eon-Chef Wulf Bernotat haben sich mit Reutersberg für einen ausgemachten Vertriebsprofi entschieden, der unter anderem als Produktmanager und Marketingchef für Henkel arbeitete, ehe er 1999 in die Energiewirtschaft wechselte. Zudem baute er nach der Fusion von Viag und Veba zu Eon im Jahr 2000 den Vertrieb des neuen Konzerns auf – und war dabei so erfolgreich, dass er sich zunächst bei Ex-Chef Ulrich Hartmann und später bei Bernotat für höhere Aufgaben empfahl. „Das sich Eon für einen Vertriebs-Mann entschieden hat, ist ein strategisches Signal und eine Ansage an die Konkurrenz“, sagt ein in der Branche bestens verdrahteter Personalberater.

Als Pluspunkt bringt der neue Ruhrgas-Chef, der in Münster am Institut für Verkehrswissenschaften promovierte, auch ein ausgeprägtes Verständnis für die technische Seite der Gaswirtschaft mit – sieben Jahre lang arbeitete er für den Heizungsbauer Vaillant. Dieses Wissen ist wertvoll: Denn gemeinsam mit den Herstellern muss die Gaswirtschaft Antworten auf die Nachfrage nach sparsamen und umweltfreundlichen Technologien finden. Schließlich setzen viele Hausbauer aufgrund stetig steigender Gaspreise auf alternative Heizungen. Mit Spannung wird in der Ruhrgas-Zentrale beobachtet, wie sich der durchaus als ehrgeizig bekannte Weise, Vorstand für Gasbeschaffung und -handel, mit der Entscheidung gegen ihn abfinden wird.

An Reutersberg dürfte die Zusammenarbeit wohl nicht scheitern. Der Vater von drei Kindern gilt Mitarbeitern als kooperativer Teamspieler. Zudem ist er auf einen erfahrenen Einkäufer angewiesen, denn die Herausforderungen in der Beschaffung sind nicht kleiner als im Vertrieb. So will Eon Ruhrgas nicht mehr länger eine reine Importgesellschaft sein, sucht nach eigenen Feldern, drängt ins Geschäft mit verflüssigtem Gas. Doch bei steigender Gasnachfrage ist die Konkurrenz groß – speziell die russische Konkurrenz tritt mit breiter Brust auf.

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