Es gibt also noch viel zu tun, ohne dass das letzte Kapitel unter dem neudeutschen Terminus Compliance bereits angeschnitten wäre. Auch hier, in Fragen sauberer Unternehmensführung, sammelt Löscher Erfahrungen, von GE wechselt er als Vorstand zum Pharmagiganten Merck, der vom Skandal um das Schmerzmittel Vioxx erschüttert wird. „Da habe ich das ganze Thema miterlebt.“
Er weiß, dass er sich im neuen Job auf ein Marathon wird einstellen müssen, die US-Anwälte werden sich noch Monate durchs Unternehmen fräsen. Aber er spricht über Compliance mit einer Autorität, die vor allem darin wurzelt, dass er bei Siemens keine Vergangenheit hat. Auch deshalb ist Peter Löscher da, wo er immer hin wollte: an der Spitze eines Weltkonzerns.
Mit der Ablösung des erst zum Jahresbeginn angetretenen Antikorruptionschefs Daniel Noa hat Löscher eine erste Marke gesetzt. Der 55 Jahre alte Ex-Staatsanwalt Noa ist dem Vernehmen nach bei Siemens nie wirklich heimisch geworden und habe nicht zuletzt deshalb kein schlüssiges Compliance-Programm entwickeln können. Zudem, so ist bei Siemens zu hören, erschwerten Noas bescheidene Englischkenntnisse die Zusammenarbeit mit den internen Korruptionsermittlern der amerikanischen Kanzlei Debevoise & Plimpton. Nun sucht Löscher nach einem Nachfolger.
Löschers Berufung
Doch wie kam Löscher eigentlich zu seinem Job? Die Geschichte seiner Berufung, sie stellt sich ungefähr so dar: Über Siemens-Aufsichtsrat Walter Kröll, den langjährigen Chef der Helmholtz-Gesellschaft, bekommt Gerhard Cromme auf dem Höhepunkt der Siemens-Krise den Wink. Die Suche eines Headhunter-Büros ist im Sande verlaufen, Linde-Chef Wolfgang Reitzle ist als Kandidat durch Presseberichte verbrannt worden.
Auf den Anruf Crommes reagiert Löscher, als hätte er nur darauf gewartet. „Ich habe erst mal mit meiner Frau gesprochen und dann blitzartig den Flieger gebucht.“ Cromme, der neue starke Mann, und Löscher, der unbekannte Internationale, sie verstehen sich prompt. Löscher spricht von einem „phantastischen Verhältnis“ und „Tandem“, Cromme fortan von seinem „Wunschkandidaten“.
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