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29.06.2007 

Löscher, das ist vor allem ein neuer Stil. Mehr Sein als Schein und damit etwas Siemens-Typisches. Jedenfalls verstärkt sich der Eindruck, dass er sich bis hin zur Wortwahl intensiv vorbereitet hat. Auch das ist eine Konsequenz aus 30 Monaten Kleinfeld. Der fühlte sich von Anfang an schlecht beraten in Fragen der Öffentlichkeitsarbeit.

Mit Kleinfeld hat Löscher zwei Tage nach seiner Nominierung in Amerika geredet, auf dessen Anregung hin. Er übernehme „die Firma“ in einem operativ sehr guten Zustand. Vor einer Woche ist er dann in München angekommen, es war wie eine Heimkehr. „Ich freue mich darauf, wieder im eigenen Kulturkreis arbeiten zu können“, sagt Löscher und spricht vom Glück, seine Kinder in Europa groß werden zu sehen.

Er ist ohne eigene Leute gekommen, er übernimmt das Sekretariat seines Vorgängers, das sollen Zeichen sein. „Ich bin überrascht, wie stolz jeder Einzelne auf das Unternehmen ist“, verstreut er Vanille in alle Richtungen. Mit den engsten Mitarbeitern hat er gesprochen, am vergangenen Montag folgte der erste Härtetest: Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit den Vorstandskollegen und seinem Vorgänger leitete Löscher erstmals eine Sitzung des obersten Führungsgremiums, informell versteht sich. „Das war wie eine Befreiung“, sagte ein Vorstandskollege. „Er ist ein Gewinn für Siemens“, sagte Vorstandskollege Heinrich Hiesinger.

Löscher trifft auf Pierer

Am Dienstag hat Peter Löscher mit Heinrich von Pierer gesprochen, dem lange Zeit so Mächtigen, hinweggefegt vom Skandal. Löscher redet mit großem Respekt von dessen Verdiensten, er selbst weiß ja auch, dass das vor allem Vergangenheit ist. Man braucht sich nur umzuschauen in der Führungsriege der Siemens AG, der Stimmungswandel ist da. Entspannt parlieren die Granden am Rande des Mediengipfels über Skandalgeschichten, das Präteritum regiert: „Das waren wirklich aufreibend schlimme Zeiten“, sagt ein Vorstand.

In den nächsten Tagen wird Löscher auf Reisen gehen, auch nach Berlin, wo er sich mit der Kanzlerin treffen will. „Habe ich 100 Tage?“ fragt er mit einem Lächeln, das bei aller Freundlichkeit vor allem eines zeigt: er ist entschlossen. Man sollte sich nämlich sehr davor hüten zu behaupten, der nette Herr Löscher bringe kein Ego mit. Es ist nur nicht mehr Teil der Unternehmensstrategie.

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