Die französische Großbank Société Générale, will mit dem Wechsel an ihrer Spitze von Daniel Bouton zu Frédéric Oudéa einen Schlussstrich unter den Skandal um ihren ehemaligen Händler Jérôme Kerviel und die daraus resultierenden Milliardenverluste ziehen. Doch zum einen verlässt Bouton die Bank nicht ganz. Und zum anderen gilt der designierte Nachfolger als sein Ziehsohn.
DÜSSELDORF/PARIS. Der 44-jährige Oudéa soll künftig das Tageseschäft der Bank führen und zum neuen starken Mann des Kreditinstituts werden. Am 12. Mai wird der Verwaltungsrat der Bank aber nicht nur Oudéa zum Vorstandschef küren, sondern Bouton auch in seinem anderen Amt bestätigen, dem des Verwaltungsratspräsidenten. Dass es zu einem harten Schnitt kommt, ist also unwahrscheinlich.
Außerdem gilt Frédéric Oudéa als Boutons Ziehsohn. Bouton war es nämlich, der ihn Mitte der 90er Jahre zu Société Générale
geholt hat. Zuvor war Oudéa, der die Eliteschulen Poytechnique und Ena absolviert hat, Regierungssprecher und Berater des damaligen französischen Finanzministers, dem heutigen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy.
Für Société Générale
war der designierte CEO dann zunächst in London im Einsatz. Finanzchef wurde er im Januar 2003. Am 17. März dieses Jahres, also nachdem bekannt geworden war, dass Jérôme Kerviel der Bank mit Spekulationsgeschäften einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingebrockt hatte, wurde Oudéa auf Vorschlag von Bouton zu dessen Stellvertreter als CEO ernannt - neben Philippe Citerne und Didier Alix.
Das neue Modell von Société Générale
mit einer Doppelspitze ähnelt dem Tandem Michel Pébereau und Baudouin Prot bei der Konkurrentin BNP Paribas.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Oudéas Konkurrenten ziehen sich jetzt möglicherweise zurück
Citerne und Alix behalten ihre Posten im Tagesgeschäft. Allerdings wird Citerne nicht wieder für den Verwaltungsrat kandidieren, sondern dort Platz für einen unabhängigen externen Aufseher machen. Nach Informationen der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos" wird er die Bank in einem Jahr ganz verlassen.
Unklar bleibt, was aus Jean Mustier-Pierre wird. Der Leiter des hochrentablen Investmentbankings von Société Générale
galt lange Zeit als Boutons Kronprinz. Doch die Affäre um Kerviel und die Abschreibungen infolge der Finanzkrise, 2,6 Mrd. Euro im Jahr 2007, haben ihn sehr geschwächt. Am Donnerstag dementierte die Bank Presseberichte, wonach Mustier gehen müsse.
Im Umfeld von Bouton wird betont, dass dieser den Rückzug als CEO von sich aus beschlossen habe. Mit dem Teilrückzug kann er sein Gesicht wahren, so der Tenor in mehreren Medien.
Links zum Thema im Web:
» Les Echos: "Société Générale: Daniel Bouton confie les rênes opérationnelles à Frédéric Oudéa "
» Times online: "Daniel Bouton relieved of chief executive role as SocGen seeks to end rogue trader crisis"
