„Er ist ein Kapitalist aus dem Bilderbuch“, schreibt die „Wirtschaftswoche“ Ende der 80er Jahre. Obermann fährt Porsche und hält sich eine Haushälterin. „Geld“, sagt er, „ermöglicht es einem, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.“
Das kann er spätestens 1991: Er verkauft seine Firma an Hutchison Whampoa. Seither gilt er als finanziell saniert. Eine Weile bleibt er angestellter Geschäftsführer, bevor Ron Sommer ihn nach Bonn holt. Eigentlich ist der heute 43-Jährige ein Fremdkörper in der Konzernkultur: Offen, direkt – und für den Geschmack einiger Telekom-Manager bei Führungskräftetreffen zu aggressiv, was ihm den Spitznamen „der Bulldozer“ einbringt.
Doch seine Einwände sind in der Regel berechtigt, basieren auf profundem Wissen – tritt er doch stets aufs Beste vorbereitet bei wichtigen Gesprächen auf, hat vorher alle Eventualitäten durchdekliniert und sich mit Zahlen und Argumenten gewappnet.
Der Mann ist Perfektionist und nie so richtig zufrieden. Das sieht man ihm an: Wenn er mal wieder Klagen über Warteschlangen bei der Hotline hört, über inkompetente Beratung und schlechten Service, dann wird er rot, holt tief Luft und ringt mühsam nach Worten. „Am liebsten würde er sich dann den Schuldigen sofort vorknöpfen und das Problem schleunigst aus der Welt schaffen“, erzählt ein ehemaliger Freund. Aber das gehe nun mal nicht so einfach bei der Telekom. Das bringe Obermann zur Weißglut.
Doch er hat dazugelernt – im Umgang mit dieser Mammutbehörde, mit dem Bund im Rücken, der sich als größter Anteilseigner einmischt. „Er ist immer noch ein Unternehmer-Typ, aber einer, der auch diplomatisches Geschick an den Tag legt“, verlautet aus der T-Mobile-Kreisen, „und einer, der erkannt hat, dass der Umbau der Telekom eine Generationenaufgabe darstellt.“
Für Ricke sollte Obermann zuletzt den Feuerwehrmann spielen. Nachdem die Festnetz-Sparte im ersten Halbjahr 2006 eine Million Kunden verloren hatte, bekam der Mobilfunkvorstand einen Zusatzjob: Er sollte den Festnetz-Vertrieb auf Vordermann bringen. Keine Frage, auch diesen Job ist er ganz nach dem „Prinzip Obermann“ angegangen. Mit Energie und Besessenheit, aber auch mit der nötigen Bodenhaftung. „Er ist ein Arbeitstier und ein Maniac“, sagt einer, der früher mit ihm zusammenarbeitete. Als erstes hat sich Obermann das „Telekom-Hasserbuch“ besorgt und von vorne bis hinten durchgelesen. Danach ist er inkognito in T-Punkte gefahren. Und hat dabei Zustände erlebt, die er unbedingt ändern will. Die Wartezeiten seien viel zu lang, ein Kunde im T-Punkt wolle nicht mehr als 2,38 Minuten auf einen freien Berater warten.
Obermann hat bislang jede Aufgabe erfolgreich zu Ende gebracht. Und Obermann ist stets Ricke gefolgt. Eine dieser Serien wird in den nächsten Jahren zu Ende gehen.
