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19.08.2008 
Finanzvertriebe

OVB-Chef Frahnert: Der stille Genießer

von Thomas Schmitt

Heidelberger halten zusammen, auch wenn sie Konkurrenten sind, so wie Michael Frahnert vom OVB und Manfred Lautenschläger, der Gründer von MLP. Das gilt besonders, wenn es um ein Nordlicht wie den Gründer des AWD geht.

OVB-Chef Michael Frahnert. Foto: PRLupe

OVB-Chef Michael Frahnert. Foto: PR

KÖLN. Carsten Maschmeyer hat knapp 27 Prozent der MLP-Aktien gekauft und an Swiss Life weiter gereicht. Die Branche spekuliert: Will er den Finanzvertrieb Nr. 1 schaffen oder nur einen eleganten Abgang bekommen? Der Chef des Kölner Konkurrenten OVB glaubt letzteres: „Ich gehe davon aus, dass Carsten Maschmeyer seinen Verbleib bei AWD zeitlich eng begrenzt sieht“, sagt Frahnert. „Vielleicht wird er schon im Dezember erklären: Das wars.“

Das ist eine Spur, die auch in der Schweiz verfolgt wird. Dennoch ist der Satz mutig. Denn eigentlich reden Chefs nicht öffentlich übereinander. Doch das Verhältnis von OVB und AWD war schon immer anders. Im OVB hat Maschmeyer seine ersten Millionen verdient. 1988 gründete er erst den AWD.

Zu diesem Zeitpunkt diente sich Frahnert in der Karlsruher Versicherung hoch. Erst fünf Jahre später zog er in die Welt hinaus und erlebte seine eigene Gründerstory. Ob Prag, Warschau oder Budapest, fast in ganz Europa ist der OVB-Chef heute vier Tage in der Woche unterwegs.

Das ist anstrengend für einen, über dessen Speck sogar Kollegen schon mal öffentlich witzeln. Doch es ist notwendig. Denn Finanzvertrieb ist ein Geschäft, das von Leuten abhängt. Mehr als 4 700 Berater sind das beim OVB. Die wichtigsten gilt es, ständig bei Laune zu halten. Das persönliche Gespräch ist dabei ganz entscheidend. In den Gesellschaften, die er selbst in den neunziger Jahren aufbaute, wird auch heute noch erwartet, dass er sich persönlich kümmert. „Ich bin die letzte Instanz“, beschreibt Frahnert das Funktionieren der Struktur, die nach unten immer breiter wird. „Entscheidend ist, dass die Leute dahinter stehen, mit Befehlen und Anweisungen ist wenig zu machen“, lautet sein Prinzip.

Ein kleines Häuschen statt Ferrari fahren zählt im Osten auch dazu. Dass die Pyramide gut gebaut ist, weiß Frahnert aber erst, wenn er Aussagen wie diese hört: „Ich liebe meinen Job!“ Starke Gefühle sind auch Teil des OVB-Erfolgs. Vermittler brauchen das Gefühl, die Freiheit zu haben, alles zu tun und vieles zu lassen. Vor allem aber wollen sie Geld. Das ist die wichtigste Triebfeder eines Finanzvertriebs. Frahnert hat dafür die Basis in Osteuropa sehr geschickt gelegt. Er erkannte nicht nur früh die Wachstumschancen in Polen, Ungarn, Tschechien oder der Slowakei. Er setzte seine Visionen zudem zügiger um. Heute ist der OVB im Osten daher mit Abstand der Marktführer. Seit drei Jahren schon ist das Auslands- größer als das Inlandsgeschäft. Inzwischen beträgt das Verhältnis 70 zu 30. Tendenz: steigend. Frahnert sieht einen „sich selbst anfüllenden Prozess“ - womöglich mit zweistelligen Wachstumsraten über viele Jahre. Davon können einige andere nur träumen.

Solange dies so bleibt, sind auch seine Hauptaktionäre, zwei Versicherungen, zufrieden. Mehrheitseigentümer ist der Deutsche Ring, der wiederum von der Schweizer Baloise dominiert wird.

Frahnert kann also stolz sein. „Es macht Spaß.“ Bis ihm aber so ein Satz rausrutscht, muss er lange gekitzelt werden. Anders als mancher Lautsprecher seiner Branche ist er ein stiller, uneitler Genießer seines Erfolgs.

Am liebsten lässt er Zahlen für sich sprechen, so wie vergangene Woche: „Konzernüberschuss legt kräftig um 16,3 Prozent zu.“

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